Rites de passage

(Franz., Übergangsriten, Durchgangsriten), 1909 von dem französischen Ethnologen Arnold van Gennep eingeführter Begriff zur Bezeichnung der Passagen zwischen Lebensstufen oder Seinszuständen. In erster Linie sind damit mit dem Gedanken der Reinigung verbundene lebenszyklische Übergänge, aber auch andere räumliche und zeitliche Schwellen gemeint. Van Gennep unterscheidet dabei zwischen Trennungsriten (Ablösungsphase), Schwellen– bzw. Umwandlungsriten (Zwischenphase) und Eingliederungsriten (Integrationsphase). In seinen Augen verlässt der Einzelne in R. d. p. seine Gruppe und erlangt eine neue Identität. Das Entscheidende spielt sich dabei in der Zwischen- bzw. Schwellenphase ab. Der Ethnologe Victor W. Turner prägte dafür den Begriff Liminalität (lat. limen, Grenze) und kam zu dem Schluss, dass sich Trickster, Clowns, Narren, Heilige oder Künstler nahezu fast immer in einem solchen liminalen Zwischenzustand befinden. Nicht zuletzt liegt den R. d. p. auch die Auffassung zugrunde, dass der Mensch das Stadium des Todes durchlaufen muss, damit er in neuer Gestalt wiedergeboren werden kann.

W. (Auswahl): Les rites de passage (1909), dt.: Übergangsriten. Frankfurt/M.: Campus-Verlag, 2005.
Lit.: Stagl, Justin: Übergangsriten und Statuspassagen: Überlegungen zu Arnold van Genneps „Les Rites de Passage“, in: Karl Acham (Hrsg.): Gesellschaftliche Prozesse. Beiträge zur historischen Soziologie und Gesellschaftsanalyse. Graz: ADEVA, 1983.
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