Rhazes

Auch Rasis, Razi, Ar-Razi (* ca. 854 Rayy, Persien; † 925 oder 935 ebd.), berühmter iranischer Arzt, nach dessen Werken an europäischen Universitäten noch zu Beginn des 17. Jh. unterrichtet wurde. Aufgrund seines hohen Ansehens als Direktor des Hauptkrankenhauses von Bagdad zog er Schüler aus der gesamten muslimischen Welt an und bezog ‒ was völlig neu war ‒ auch psychosomatische und psychologische Faktoren in seine Beobachtungen mit ein. Sein Hauptwerk Al-Hawi („Das Vollständige Buch“), eine Enzyklopädie über die gesamte Bandbreite der Medizin, beinhaltet für jede Krankheit die Standpunkte seiner Vorgänger, angereichert durch eigene Beobachtungen.
R.s Ablehnung jeglicher höheren Autorität, vor allem der religiösen, ebnete ihm auch den Weg zur Alchemie. So verfasste er mehrere alchemische Abhandlungen, von denen allerdings nur drei Gegenstand übersetzter und kommentierter Veröffentlichungen wurden. Mehrere lateinische Schriften, so z.B. Lumen Luminum oder De aluminibus et salibus, wurden im Mittelalter bisweilen R. zugeschrieben, deren arabische Manuskripte blieben allerdings unauffindbar. Jedenfalls spielte das Werk R.s eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Ausformung der abendländischen Alchemie im 13. Jh.

Lit.: Newman, W.R.: The „Summa Perfectionis“ of Pseudo-G.: A Critical Edition, Translation and Study. Leiden, 1991, S. 57-108; Priesner, Klaus/Figala, Karin: Alchemie (Hrsg.): Lexikon einer hermetischen Wissenschaft. München: Beck, 1998; Thoraval, Yves: Lexikon der islamischen Kultur. Darmstadt: Primus, 1999.
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