Reuchlin, Johannes

(* 22.02.1455 Pforzheim; † 30.06.1522 Bad Liebenzell/Stuttgart), auch „Kapnion“ genannter bedeutender Philologe, Humanist, Hebraist, Anwalt, Lehrer Luthers. Befürworter des humanen Gewissens. Seine Schwester Elisabeth Reuter war die Großmutter von Philipp Melanchthon. Studium in Freiburg, Paris und Basel, wohin er 1474 übersiedelte. Dort im gleichen Jahr Baccalaureus, 1475 Magister; 1479-81 Jura-Studium in Orleans und Poitiers, wo er an den dortigen Universitäten auch alte Sprachen dozierte. 1481 in Tübingen, 1482 erste Italienreise, zwei weitere folgten. In Linz lernte er bei Jacob Ben Jechiel Loans Hebräisch. R. konvertierte zum Katholizismus, wurde jedoch ein Opfer der Kontroversen in der beginnenden Reformationszeit und auch wegen seiner Auseinandersetzungen um die Erhaltung der jüdischen Literatur, wofür er sich 1510 in einem Gutachten einsetzte. Die sog. ironischen „Dunkelmännerbriefe“ (Epistolae obscurorum virorum) beziehen sich auf seine Auseinandersetzungen mit den Dominikanern von Köln. 1520 wurde R. in einem Häresieprozess zur Übernahme der Prozesskosten und zum Stillschweigen verurteilt. Seine kabbalistischen Schriften kamen 1559 auf den Index libr. prohibitorum. Seine Schrift Augenspiegel wurde von Papst Leo X. verurteilt.

W.: De verbo mirifico. Basel, 1494; Arcana Academica, 1517; De arte cabbalistica. Speyer, 1517; Artis cabbalisticae scriptores. Basel, 1587.
Lit.: Brod, Max: Johannes Reuchlin und sein Kampf. Stuttgart, 1966; Zika, Charles: Reuchlin und die okkulte Tradition der Renaissance (Pforzheimer Reuchlinschriften; 5). Sigmaringen: Jan Thorbecke, 1998.
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