In den Pyramidentexten ist häufig von einem reinigenden Bad für Verstorbene die Rede, das nicht nur äußere Reinheit, sondern auch ein neues Leben gewährleisten sollte. Bei dem unter den alten Römern verbreiteten Reinigungsopfer (lustrum) wurden die Opfertiere vor der Schlachtung um die zu entsühnenden Personen oder Grundstücke herumgeführt. Das Durchschreiten eines Joches oder das Durchkriechen eines gespaltenen Baumes wurde den rites de passage zugezählt und war mit dem Glauben verbunden, damit alle Unreinheit abstreifen zu können.
Zum wichtigsten kultischen Reinigungsmittel wurde das Wasser: rituelle Waschung, Besprengen mit Weihwasser. Als besonderes Beispiel sei hier der Initiationsritus der Taufe als grundlegendes Sakrament im Christentum genannt. Aber auch der Eintritt in eine neue Lebensphase wird häufig durch R. mit Wasser vollzogen (Gesellentaufe, Gautschen). Im Altertum galt Blut als besonders wirkmächtiges Reinigungsmittel. So wurde dieses bei den Nordgermanen auf Götterbilder und Opferteilnehmer gespritzt. In den Attis-Kybele-Mysterien war es üblich, dass der Myste im Blut badete, um von seinen Sünden gereinigt zu werden. Auf eine solche Reinigungsform wird auch im Alten Testament Bezug genommen (Reinigung des Aussätzigen, Lev 14,3ff).
Reinigende Kraft wurde ebenso dem Feuer zugeschrieben. Bei der nordischen Sonnwendfeier hatte der Sprung über das Feuer ursprünglich die Bedeutung einer symbolischen Reinigung. Die von der Antike bis in die christliche Zeit hineinreichende Sitte der Lichter bei Totenwache und Totenfeier hatte neben der apotropäischen Wirkung auch den Zweck der Reinigung. Einen besonderen Stellenwert hat die kultische Reinigung im Shintoismus (Waschung am Schrein, körperliche Waschung, symbolische Läuterung).
Lit.: Lurker, Manfred: Wörterbuch der Symbolik. Stuttgart: Kröner, 5., durchges. u. erw. Aufl. 1991.