Reichenbach, Carl Frhr. von

(* 12.02.1788 Stuttgart; † 19.01.1869 Leipzig), schwäbischer Chemiker, Naturforscher, Industrieller, Entdecker des Kreosots und Paraffins. Genannt der „Zauberer vom Cobenzl“ (das Schloss wurde in den 1950er Jahren abgerissen), Erforscher der Meteoriten. Seine Sammlung schenkte er der Universität Tübingen, die ihm daraufhin das Diplom eines Dr. rer. nat. verlieh. In Tübingen hatte R. früher schon den Dr. phil. erworben.
R. errichtete die ersten großen Holzverkohlungsöfen. Mit Altgraf Hugo zu Salm verband er sich in Wien zwecks Gründung von Eisenwerken in Mähren. Infolge wirtschaftlicher Krisen verlor er sein ansehnliches Vermögen. Nach Salms Tod († 1836) zog sich R. auf Schloss Reisenberg bei Wien zurück. Wenngleich er von den Gelehrten seiner Zeit (Berzelius ausgenommen) abgelehnt wurde, konnte er 1865 wenigstens noch einige Vorträge an der Wiener Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften halten. 1867 übersiedelte er nach Leipzig. Aufgrund zahlreicher Experimente wurde R. zum Schöpfer der umstrittenen „Odlehre“, wodurch er sich die Gegnerschaft der Physiker zuzog. Von ihm stammt auch der Ausdruck „Sensitive“ als Bezeichnung für Menschen, die im Finsteren gewisse Lichterscheinungen („odische Lohe“) am menschlichen Körper (Kopf, Hände) sehen können. Leider sind R.s Entdeckungen wegen des Unverständnisses seiner Zeitgenossen weitgehend vergessen und seine Forschungen nicht mehr weitergeführt worden.

W.: Untersuchungen über die Dynamide des Magnetismus, der Elektrizität, der Wärme, des Lichts usw. in ihrer Beziehung zur Lebenskraft (2 Bde.). Braunschweig, 2. Aufl. 1849; Leipzig, 1910; Der sensitive Mensch und sein Verhalten zum Ode (1854/55, 2 Bde.; Wien 1858, Lpz. 1910; Odisch-magnetische Briefe. Stuttgart, 1852, 1856, Ulm 1955; Köhlerglaube und Afterweisheit. Wien, 1855; Die Pflanzenwelt in ihren Beziehungen zur Sensitivität und zum Ode. Wien, 1858; Leipzig, 1909; Aphorismen über Sensitivität und Od. Wien, 1866; Die odische Lohe und einige Bewegungserscheinungen als neuentdeckte Formen des odischen Princips. Wien, 1867; Leipzig, 1909.
Lit.: Kurzbiographie in: C. v. Wurzbach: Biographisches Lexikon etc. (1873), Bd. 25, S. 169; Artikel „Reichenbach, Karl Freiherr von“, in: Allgemeine Deutsche Biographie, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 27 (1888), ab S. 670; Ferzak, Franz: K. Freih. v. Reichenbach. Verl. Michaels/CH (Broschüre).
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