Die linke Seite galt schon in Ägypten als die Todesseite. Nach dem Papyrus Ebers (16. Jh. v. Chr.) tritt der Lebenshauch durch das rechte Ohr in den Körper ein, der Todeshauch hingegen durch das linke Ohr.
Auch im heutigen Volksglauben und in vielen Religionen gilt die rechte Seite als die bessere. Sie ist Sinnbild von Kraft und Erfolg. So gilt auch der Platz zur Rechten Gottes, eines Herrschers oder Gastgebers als bevorzugter Ehrenplatz. Beim Jüngsten Gericht stehen die Auserwählten zur Rechten, die Verdammten zur Linken.
Die schwarze Magie setzt in der bewussten Umkehrung diese Bewertung von r. u. l. voraus: Rituelle Handlungen werden mit der linken Hand, auf der linken Seite usw. ausgeführt.
In China wird die linke Seite mit dem Himmel, dem aktiven männlichen Prinzip, also mit Yang, die rechte mit der Erde, der Fruchtbarkeit, der Ernte, dem weiblichen Prinzip, also mit Yin in Verbindung gebracht.
Lit.: Herder-Lexikon: Symbole. Herder Spektrum. Freiburg i.Br.: Herder, 7. Aufl. 1978; Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Symbole der alten Ägypter. Frankfurt/M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 2005.