Ravasio, Eugenia Elisabetta

(* 04.09.1907 San Gervasio dʼAdda, jetzt Capriate San Gervasio bei Bergamo/Italien; † 10.08.1990), Mystikerin, Visionärin.
Als jüngstes von acht Geschwistern wuchs R. in schwierigen familiären und finanziellen Verhältnissen auf. Der Arzt gab ihr als Frühgeburt im sechsten Monat keine Lebenschance. Sie überlebte, wenngleich sie mit vier Jahren noch sehr klein war und weder sprechen noch laufen konnte. Die Mutter war aufgrund der schweren Geburt sieben Jahre an das Bett gefesselt. Der fromme Großvater Piero unternahm in dieser Zeit eine Fußwallfahrt zum Marienheiligtum „Madonna di Varese“. Währenddessen erhielt Eugenia „Besuch“ von einer schönen Dame, die sie ankleidete und aufforderte, sich den Eltern zu zeigen. Bei einem darauffolgenden Besuch des Marienheiligtums mit ihren Eltern sagte Eugenia beim Anblick der dortigen Muttergottesstatue: „Das ist die schöne Dame, die mich angekleidet hat.“
Vom 12. bis zum 20. Lebensjahr arbeitete R. in einer Weberei. 1927 entschloss sie sich, Missionarin zu werden, trat in das Institut Notre Dame des Apôtres ein, wurde Novizenmeisterin und später Generaloberin (1935-1947). 1932 erhielt sie Botschaften, die ihr laut eigener Aussage vom himmlischen Vater diktiert worden seien (das lat. Original ist angeblich verschollen). Den Leprakranken, die auf die Insel „Desirée“ an der Elfenbeinküste verbannt waren, versprach sie im dortigen Urwald ein eigenes Dorf der Nächstenliebe, „Adzopté“, das in den Jahren 1939-41 realisiert wurde. Papst Pius XII. sandte P. Girard Matthieu zu Madre Eugenia, um persönliche Informationen einzuholen. Der Pater berichtete, dass Eugenia, als sie ihm auf dem Gang entgegenkam, einen halben Meter über dem Boden geschwebt sei.
Nach einer Untersuchung durch eine kanonische Kommission sprach sich der Bischof von Grenoble, Msgr. Alexandre Caillot, nach zehn Jahren für die übernatürliche Herkunft der Offenbarungen aus. Allerdings wurde von einigen Kritikern auf manche theologische Ungereimtheiten und Merkwürdigkeiten in den Botschaften hingewiesen (z.B.: „Ich wünsche ein Abbild, das ein konkretes Zeichen meiner Gegenwart darstellt.“).

W.: Der Vater spricht zu seinen Kindern. LʼAquila: Edizioni Pater, 1999 (Ausgaben in vielen Sprachen).
Lit..: Ascanio, Andrea: Per la Gloria del Padre. LʼAquila: Ed. 1 Nidi di preghiera, 2. Aufl. 1989.

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