Raumphilosophie

Die erste eigenständige R. in unserem Kulturkreis wurde von Platon entwickelt. Ihm zufolge existiert die sinnlich wahrnehmbare raumzeitliche Welt nicht eigenständig, sondern nur durch ihre Teilhabe am wahren Sein, an der Welt der Ideen (Tim. 51b, d; 52a).
Der Humanist Marsilius Ficinus (1433-1499), der die Schriften Platons und der Neuplatoniker übersetzte, spricht von einer Alleinheit des Wirklichen, das hierarchisch in fünf Stufen geordnet ist: Materie, Qualität, Seele, Engel und Gott.
Auf seine Anregung hin konzipierte später Tommaso Campanella (1568-1639) eine Weltschichtenlehre, bestehend aus der archetypischen (mundus archetypus), der geistigen (mundus mentalis), der mathematischen (mundus mathematicus), der materiellen (mundus materialis) und der Bezugswelt (mundus situalis). Diese fünf Welten schließen sich wechselseitig ein und durchdringen einander. Dabei ist der Raum in Gott, während Gott durch den Raum nicht eingegrenzt wird.

Die Bedeutung Campanellas liegt insbesondere auch in seiner Wirkung auf Newton, Locke, Leibniz und andere bedeutende Denker, wenngleich keiner von ihnen eine höherdimensionale Raumtheorie entwickelte. Doch werden nach Isaac Newton (1643-1727) die Körper von einem verborgenen Geist durchdrungen.

Lit.: Campanella, Tommaso: Universalis philosophia seu metaphysicae res (1638).

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