Raum-Zeit-Kontinuum

Bezeichnet die gemeinsame Darstellung des dreidimensionalen Raumes und der eindimensionalen Zeit in einer vierdimensionalen mathematischen Struktur. Diese Darstellung wird in der Relativitätstheorie verwendet. Der Mensch erlebt Ort und Zeit als zwei verschiedene Gegebenheiten, u.a. wegen der mit der Zeit verbundenen Kausalität(In der klassischen Physik und größtenteils in der Technik werden Ort und Zeit als voneinander unabhängige Größen behandelt.) Bei Geschwindigkeiten von der Größenordnung der Lichtgeschwindigkeit zeigt sich jedoch, dass sich Zeit und Ort eines Ereignisses gegenseitig bedingen. So hängt z.B. der zeitliche Abstand zweier Ereignisse, wie er von einem bewegten Beobachter festgestellt wird, auch von ihrem räumlichen Abstand ab. Mit der Entwicklung der speziellen Relativitätstheorie wurde erkannt, dass es vorteilhaft ist, die beiden Größen als Koordinaten in einem gemeinsamen vierdimensionalen Raum, dem sog. Minkowski-Raum, zu betrachten.
Die Historische Verhaltensforschung August Nitschkes (1926-2019) hat gezeigt, dass zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Kulturen auch Raum und Zeit verschieden erfahren werden. Diese Feststellung der Kulturrelativität von Raum- und Zeiterfahrung ist für die Parapsychologie insofern von Bedeutung, als dadurch der Nachweis erbracht wird, dass die Raum-Zeit-Unabhängigkeit von Psi-Manifestationen nicht unbedingt mit dem Wesen der Natur kollidiert, sondern lediglich mit einer begrenzten menschlichen Anschauung.

Lit.: Eichberg, H.: Raum und Zeit als historisch-kulturelle Variablen. SVU-Magazin 2 (Stuttgart 1974) 5/6; Davies, Paul: Die Unsterblichkeit der Zeit: die moderne Physik zwischen Rationalität und Gott. München: Scherz, 1995.
Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.