Ratte

In Süd- und Ostasien Glücksbringer, in der indischen Mythologie Reittier des Ganesha, des elefantenköpfigen Gottes der Weisheit. Bei primitiven Völkern in Vorderindien tritt die R. als eine Art Kulturbringer auf, dem die Menschen das Feuer bzw. den Reis verdanken. So wird den Nagetieren in einem Tempel in Radschastan täglich ein Getreideopfer dargebracht. Die Chinesen erachten die R. als besonders klug, sie wird mit Reichtum in Verbindung gebracht und bildet in der Astrologie das 1. Zeichen des Tierkreises (unserem Widder entsprechend).
Im europäischen Volkglauben symbolisiert die Vorräte vernichtende und Seuchen übertragende R. hingegen einen negativen Aspekt. Man wähnt sie auf der Seite der Dämonen und Hexen und als Unglücksbringer. Für den französischen Schriftsteller Charles Baudelaire verkörperten R.n böse Gedanken und Ernst Jünger verglich den Pöbel mit einem „Rattenschwarm“. Der negative Anstrich ist der R. bis heute geblieben. Verschieden interpretiert wird in diesem Zusammenhang die sagenumwobene Gestalt des Rattenfängers von Hameln. So wird er u.a. auch als Seelenfänger gedacht.
Daneben kann die R. ähnlich wie die Maus ebenso ein Seelentier sein.

Lit.: Art. „Ratte“, in: Bächtold-Stäubli, Hans (Hrsg.) Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 7. Berlin/New York: de Gruyter, 1987; Eberhard, Wolfram: Lexikon chinesischer Symbole: die Bildsprache der Chinesen. München: Diederichs, 2004.
Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.