(* 01.05.1814 Straßburg; † 06.05.1884 Ain Karim bei Jerusalem), einer angesehenen jüdischen Familie entstammender Anwalt und Bankier, Konvertit, Bruder von Theodore R. (1802-1884). Als Freigeist und Kirchengegner erfuhr er am 20.01.1842 durch eine Marienerscheinung in der Kirche S. Andrea delle Fratte in Rom eine plötzliche Bekehrung. Gemeinsam mit seinem elsässischen Landsmann und Begleiter, Baron Théodore de Bussière, war R. in jene Kirche gegangen, da dieser etwas mit einem Priester zu besprechen hatte. In der Zeit, da er allein in der Kirche war, wurde ihm eine Lichterscheinung zuteil. Die Erscheinung blieb wortlos, doch R. hatte alles verstanden. Allerdings hatte er schon zuvor von Bussière eine wundertätige Medaille erhalten und ihm zuliebe auch das Gebet „Memorare“ des hl. Bernhard abgeschrieben, das ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen war. In der Folge wurde die Verlobung mit seiner Nichte aufgelöst. Nach der Taufe am 31.01.1842 studierte R. Theologie und wurde 1847 zum Priester geweiht. Nach einigen Jahren als Jesuit und Missionar trat er mit Erlaubnis von Papst Pius IX. wieder aus dem Orden aus und wurde Mitglied der Priesterkongregation seines Bruders Théodore. Mit ihm gründete er die Kongregation der Töchter Unserer Lieben Frau von Sion, für die er in Jerusalem ein Kloster errichten ließ sowie außerhalb der Stadt ein Waisenhaus und eine Kirche.
Lit.: Bussières, Th. de: Alphons Maria Ratisbonne, o.O., 1859, dt. 1926; ders.: Alphonse Maria Ratisbonne: ein neuer Bruder im Herrn. München/Rom, 1926; The Conversion of Ratisbonne (Roman Catholic Books 2000); Zahlner, Ferdinand: Personenlexikon der Paranomologie. Innsbruck: Resch, 2011, S. 258.