Ramesseum-Papyri

Unterhalb des im 13. Jh. v. Chr. errichteten Totentempels Ramses II. stießen die Ägyptologen James Quibell und William M. Flinders Petrie 1895 auf einen Grabschacht aus einer früheren Epoche (18. Jh. v. Chr.), der neben sonstigen Beigaben auch einige stark zerfallene Handschriften enthielt, von denen die meisten heute im British Museum in London und einige auch im Ägyptischen Museum in Berlin aufbewahrt werden.
Die aufgefundenen magischen Schriften, die sog. Ramesseum-Papyri, stellen eine absolute Rarität dar. Kurt Sethe (1869-1934), damals einer der führenden deutschen Ägyptologen, entdeckte in der Grabbibliothek den sog. „Dramatischen Ramesseumpapyrus“, den er 1928 publizierte. Dieser enthält offenbar eine Ritualanweisung für den König und seine Priester. In einem anderen Papyrus werden Mythen zitiert, in denen von Gottheiten bei gewalttätigen Auseinandersetzungen die Rede ist. Im Papyrus „Ramesseum C verso“ z.B. wird der gegnerische Part nicht als Mensch, sondern als regelrechter Dämon präsentiert. All diese Funde weisen den Grabinhaber mit hoher Wahrscheinlichkeit als Spezialisten für magische Rituale aus, worauf auch die Zeichnung auf dem Deckel der weiß verputzten Holzkiste, welche die Papyrusrollen enthielt, schließen lässt: ein liegender Schakal, der die Hieroglyphe für „Heri-Seschta“ verkörpert, das altägyptische Wort für einen Ritualisten. Experten sind in der Lage, in den R. verschiedene Handschriften zu unterscheiden und zeitlich einzuordnen. Demzufolge lagen zwischen der ältesten und der jüngsten Schriftrolle bis zu 100 Jahre. Der Verstorbene, über dessen Grabschacht Ramses II. seine Tempelanlage errichten ließ, scheint ein mächtiger Zauberer gewesen zu sein und auch die Rituale am Pharaonenhof gekannt zu haben.

Lit.: Quack, Joachim Friedrich: Das Grab des Magiers. Spektrum der Wissenschaft 10.16, 80-85.
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