(* 18.02.1836 Kamarpukur bei Kalkutta, Westbengalen; † 16.08.1886 Kalkutta), Sohn eines verarmten orthodoxen Brahmanen, ind. Mystiker, neohinduistischer Reformer; Weisheitslehrer und Vertreter eines harmonisierenden Synkretismus, wonach alle Religionen auf verschiedenen Wegen zum Göttlichen führen.
Schon als Kind zeigte R. einen Hang zur Mystik; er konnte spontan in einen tranceartigen Zustand fallen. 1855 wurde er Priester am Kalitempel in Dakshineshwar bei Kalkutta, wo sich ihm die „Göttliche Mutter“ offenbarte, sodass er in einen Trancezustand fiel. Daraufhin lebte er zwölf Jahre zurückgezogen. Seine Eltern holten ihn heim und arrangierten – quasi als Heilung für sein Verhalten – im Mai 1859 eine Heirat mit einem fünfjährigen Mädchen, Saradamani Devi († 21.07.1920). 1861 kehrte R. zum Kalitempel zurück und setzte seine Suche nach Einheit mit der Gottheit (Brahman) fort. Erst 1872 folgte ihm auch seine Frau nach Dakshineshwar nach. 1881 stieß auch Narendranath Datta, später bekannt als Swami Vivekananda, zur Gruppe seiner Verehrer und wurde deren Leitfigur. Nach R.s Tod organisierte Vivekananda die Schüler in der Vedanta Society zur sozialen Arbeit und zur Verbreitung der Lehre (Ramakrishna-Mission, 1897). R.s Aussprüche wurden von den Schülern gesammelt: „Seid Christen in Barmherzigkeit, Mohammedaner in der Befolgung der gottesdienstlichen Pflichten und Hindus in der Mildtätigkeit gegen alle Lebewesen.“
W.: The Gospel of Ramakrishna. N.Y., 1947.
Lit.: Rolland, Romain: The Life of Ramakrishna. Mayavati, 1931; Swami Nikhilananda: R. ‒ Prophet of New India. N.Y., 1948; Swami Gamhirananda: History of the Ramakrishna Math and Mission. Kalkutta, 1957; Sherwood, Christopher: R. and his disciples. N.Y., 1965; Schreiner, Peter: Sri Ramakrishna und Romano Maharshi als Vertreter moderner indischer Mystik, in: Hubert Cancik (Hg.): Rausch ‒ Ekstase ‒ Mystik. Düsseldorf, 1978, S. 59-77; Müller, Hans-Peter: Die Ramakrishna-Bewegung: Studien zu ihrer Entstehung, Verbreitung und Gestalt. Gütersloh, 1986.