Rajas

(Skrt.), in der indischen Philosophie und im Hinduismus eine der drei Gunas (Eigenschaften) der feinstofflichen Materie. Die Gunas wurden ursprünglich in der Samkhya-Philosophie systematisiert und zeigen Charakteristika der Prakriti (Urmaterie). Später fand die Guna-Lehre auch Eingang in den Vedanta. Heute ist sie Teil des hinduistischen Allgemeinguts.
Jede der drei Gunas hat unterschiedliche Eigenschaften. R. ist die Leidenschaft und verkörpert somit das dynamische und kämpferische Element, dem die Farbe Rot zukommt. Die Leidenschaft ist „stützend“ (
upashtambhaka) und beweglich (chala). R. ist verantwortlich für jede Art von Bewegung und im Körper für die Tätigkeit der Atemkräfte (pranada) und der Handlungsorgane (karmendriya). R. wirkt antreibend und betrübend und gehört zur Unreinheit (ashuddhi).
Das Verhältnis der drei Gunas wirkt sich erheblich auf das Ich-Bewusstsein aus. Überwiegt R., wird es das „Glutreiche“ (
taijasa) genannt. Man geht davon aus, dass die Menschen generell von der Leidenschaft in den Bann gezogen sind. R. symbolisiert daher Rastlosigkeit, Bewegung und Energie.
Die zwei anderen Gunas sind 
Sattva (Harmonie) und Tamas (Trägheit). Aus der Wechselwirkung der Gunas gehen sämtliche Spielarten der Schöpfung hervor.

Lit.: Das Oxford-Lexikon der Weltreligionen. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1999.
Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.