Rais, Gilles de

(* 1404 auf Schloss Champtocé bei Angers, Frankreich; † 26.10.1440 Nantes), Gilles de Montmorency-Laval, Baron von Rais, reicher frz. Aristokrat, Serienmörder, kämpfte als Soldat zusammen mit Jeanne dArc gegen die Engländer, bis er 1432 aus dem Militärdienst schied. R. ließ sich auf seinem Schloß in Tiffauges in der Bretagne nieder, wohin er okkultistische Scharlatane einlud. Dies brachte ihm bald einen schlechten Ruf ein. So wurden ihm 140 Ritualmorde von Kindern zur Last gelegt. 1440 wurde R. auf Weisung des Bischofs von Nantes, Jean de Malestroit, verhaftet und ‒ auch in einem Zivilprozess durch den Präsidenten des bretonischen Parlaments, Pierre de lHôpital ‒ schuldig gesprochen. Durch umfangreiche, unter Folter erpresste Geständnisse seiner Mitangeklagten belastet, gestand R. unter der eigenen Folter die ihm zur Last gelegten Übeltaten an den entführten Kindern und bat deren Eltern um Vergebung. Er wurde mit zwei Mitangeklagten erdrosselt, aber nicht verbrannt, sondern durch Intervention der Verwandten vom Scheiterhaufen weg in einer Kirche beerdigt. Eine Gedenktafel an der Kirche in Saint Etienne de Mer Morte erinnert an sein Schicksal (dt. Übers.: „Gilles de Raiz, Marschall von Frankreich, drang am Pfingsttage 1440 während des Hochamtes in Waffen an der Spitze seiner Gefährten in diese Kirche ein. Er brachte Jean Le Ferron, einen Geistlichen, in seine Gewalt und kerkerte ihn in seiner nahegelegenen Festung ein. Jean de Malestroit, Bischof von Nantes, lud ihn per Befehl vom 15. September vor. Johann V., Herzog der Bretagne, ließ Gilles bereits am folgenden Tage gefangen nehmen. Er gestand seine Verbrechen, nachdem er gerichtet und verurteilt ward, kam er am 26. Oktober 1440 auf der Biessewiese bei Nantes an den Galgen.“).
R.ʼ Prozess war neben jenem von Jeanne dArc einer der meistbeachteten im damaligen Frankreich. Seine Gestalt diente als narrative Vorlage für die Sage von König Blaubart.

Lit.: Bataille, Georges: Gilles de Rais ‒ Leben und Prozess eines Kindermörders. Übers. von Ute Erb. Gifkendorf: Merlin, 1959, 72006.
Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.