Rademacher, Johann Gottfried

(* 04.08.1772 Hamm/Grafschaft Mark; † 09.02.1850 Goch), Arzt, Autor medizinischer Schriften und Schöpfer eines eigenen heilkundlichen Systems.
Mit 18 Jahren nahm R. das Studium der Medizin in Jena auf. Sein wichtigster Lehrer dort war Christoph Wilhelm Hufeland. 1794 promovierte R. mit einer Dissertation über Rheumatismus und Gicht. Für weitere Studien wechselte er an die Universität Berlin, wo er das Staatsexamen ablegte. Nach kurzer Praxis in Kleve ließ er sich schließlich in Goch nieder, wo er das Amt des Stadtphysikus bekleidete, dem auch die städtische Armenpraxis und die medizinische Betreuung des Waisenhauses oblagen. Als vielbeschäftigter Arzt war er dort 53 Jahre ununterbrochen tätig.
Ausgehend von der paracelsischen Medizin und den Arzneimittelkenntnissen dieser alten Tradition entwickelte R. in seiner ausgedehnten Praxistätigkeit seine Erfahrungsheillehre, die sich vom üblichen medizinischen Denken und Handeln seiner Zeit konzeptionell und in der therapeutischen Verfahrensweise erheblich unterschied und im Wesentlichen Folgendes vertritt:
‒ Es existiert kein Theoriegebäude, über das von Wahrnehmungen auf kausal definierte Krankheitskategorien geschlossen werden könnte, an denen sich dann die Behandlung orientieren würde.
‒ Über Genese und Wesen einer Krankheit lässt sich grundsätzlich nichts aussagen. Deren Beschreibung und Einteilung erfolgt ausschließlich und direkt nach praktischen Gesichtspunkten.
‒ Gesichertes Wissen über einzelne Krankheiten wird lediglich durch ihre Beziehung zu Heilmitteln gewonnen.
‒ Das Ermitteln des adäquaten Arzneimittels für jede Krankheit erfolgt rein empirisch, durch Versuch und Probieren.

W. (Auswahl): Rechtfertigung der von den Gelehrten misskannten, verstandesrechten Erfahrungsheillehre der alten scheidekünstigen Geheimärzte und treue Mittheilung des Ergebnisses einer 25jährigen Erprobung dieser Lehre am Krankenbette, 2 Bde. Berlin, 1841-1848.
Lit.: Krack, Niels: Doktor Johann Gottfried Rademacher: sein Leben, seine Lehre, seine Heilmittel und wir. Heidelberg: Haug, 1984.
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