Rabelais, François

(* Um 1494/95 Chinon, Frankreich; † 09.04.1553 Paris), Benediktiner, Arzt, Anatom, Dichter, bedeutender Prosa-Autor der französischen Renaissance.
R., Sohn eines wohlhabenden Advokaten, besuchte Klosterschulen, wurde Franziskaner und um 1520 Priester. 1524 reiste er zum befreundeten Bischof von Maillezais. Mit Erlaubnis des Papstes trat er zu den dortigen Benediktinern über, studierte 1530 in Montpellier Medizin, war 1532 bis 1534 Hospitalarzt in Lyon, begleitete in den Folgejahren Kardinal Du Bellay mehrmals nach Rom. Aus Angst vor religiöser Verfolgung entwich er 1546 nach Metz, wurde dort Stadtarzt, befand sich 1547 wieder im Gefolge von Kardinal Du Bellay in Rom und kehrte 1550 nach Frankreich zurück, wo er die Pfarrei von Meudon bei Paris erhielt, die er bald aufgab.
Die Idee einer Abtei Thelema, deren literarisches Gesetz „Tu, was du willst“ von Aleister Crowley aufgenommen und in dessen Abtei Thelema in Sizilien realisiert wurde, geht auf R.s fünffbändigen Romanzyklus Gargantua und Pantagruel zurück. Dies gilt auch für die Grundlagen des freimaurerischen Rituals (,Woher kommst du? Wohin gehst du? Was bringst du?ʻ).

W.: Pantagruel, rot des Dipsodes. Paris, 1532; La vie très horrifique du Grand Gargantua, père de Pantagruel. Paris, 1534, 1965 (TB); Euvres de François Rabelais. Paris, 1912-1931; Gargantua und Pantagruel. Mit Illustrationen von Gustave Dorè, hrsg. von Horst und Edith Heintze, 2 Bde., 1974.
Lit.: Naudon, Paul: Rabelais Franc-Maçon. Paris, 1954; Bakhtin, Mikhail: Rabelais and his world, 1968 (dt.: Rabelais und seine Welt: Volkskultur als Gegenkultur, 1987); Schübler, Walter: Die Rabelais-Rezeption im deutschen Sprachraum unter besonderer Berücksichtigung übersetzungswissenschafllicher Aspekte. Wien: VWGÖ, 1992.
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