Rabe

Gilt einerseits als Seelenvogel, andererseits aufgrund seiner schwarzen Farbe und seiner krächzenden Lautäußerungen als Unglückskünder bzw. als Verkörperung eines teuflischen Wesens. Lässt er sich auf einem Hausdach nieder, zeige dies angeblich einen bevorstehenden Todesfall an. Im Zeichen des R. stand auch der unglückliche babylonische Schaltmonat, der 13.!
Andererseits kann sich der R. aber auch als wohltätig erweisen, als Berater des Menschen und als sein Wegführer fungieren. Alte Götter und Könige nutzten seine Weisheit und Intelligenz. Nordwestsibirische Stämme, Eskimos und nordamerikanische Indianer an der Westküste sehen in ihm eine Schöpfergottheit. Nach altpersischem Glauben war das Tier dem Gott des Lichts und der Sonne heilig. Nicht zuletzt ist er auch Personifikation des Lichtgottes, z.B. Apollos Begleiter.
Bei vielen Völkern gelten R.n als Boten Gottes. So versorgt z.B. ein R. den Propheten Elias mit Nahrung (1 Kön 17,6).
Laut nordischer Mythologie tragen die beiden R.n Hugin und Munin als Vögel des Schlachtfeldes Odin alle Neuigkeiten zu.
R.n und ihre kleineren Verwandten, die Krähen, spielen bis heute in positiver wie negativer Weise weltweit eine Rolle in Sagen und Märchen, im Volks- und Aberglauben und sind häufig zu findende Symbole in Literatur und Film.

Lit.: Bertholet, Alfred: Wörterbuch der Religionen. Stuttgart: Kröner, 1985; Epple, Wolfgang: Rabenvögel. Göttervögel Galgenvögel. Ein Plädoyer im „Rabenvogelstreit“. Karlsruhe: Braun, 2001.
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