Mysterienschulen

Neben Aleister Crowley übte auch die Magierin Dion Fortune aus dem Umfeld des Golden Dawn-Ordens (GD) großen Einfluss auf die Entwicklung des westlichen Okkultismus im 20. Jh. aus. Sie trat 1919 in den Geheimorden Alpha et Omega ein, der 1900 von Samuel Mathers nach dessen „Absetzung“ als ein Nachfolgeorden des langsam auseinanderfallenden GD gebildet wurde. Sie war auch der Theosophischen Gesellschaft beigetreten und arbeitete in den 1920er Jahren mit dem christlichen Okkultisten Charles T. Loveday zusammen. 1924 gründete sie den magischen Orden Fraternity of the Inner Light, der später in Society of the Inner Light umbenannt wurde.
Der Orden war Keimzelle für viele magische Logen in England, die sich unter dem Begriff Westliche Mysterienschulen zusammenfassen lassen. Ihre Gemeinsamkeit liegt im Bezug auf die Traditionslinien westlicher esoterischer Strömungen mit ihrer starken Orientierung an der ägyptischen Mythologie und der Kabbala, der klaren Abgrenzung gegen Schwarze Magie bzw. den linkshändigen Pfad und einer Fokussierung auf die Ritual- bzw. Zeremonialmagie. Eine aus der Society of the Inner Light hervorgegangene neue Mysterienschule ist der von den beiden Fortune-Schülern W.E. Butler und Gareth Knight 1965 gegründete Orden Servants of the Light.
Eine weitere bedeutsame Mysterienschule ist der von Paul Foster Gase in den USA gegründete Esoterik-Orden Builders of the Adytum (BOTA). Inzwischen haben sich auch in Europa einige Gruppen gebildet. Einen Schwerpunkt bildet hier ebenfalls die Auseinandersetzung mit der westlichen kabbalistisch-hermetischen Tradition mit dem Ziel einer persönlichen Höherentwicklung im esoterischen Sinn. Wie schon in der Frühzeit des Ordens werden die Wissensinhalte in Form von Lehrbriefen vermittelt. Für die Teilnahme an der magischen Ritualarbeit in den Ordensgruppen (den „Pronaos“), die der „Harmonisierung gemäß kosmischer Prinzipien“ dienen soll und als „machtvolle Hilfe zur Erweiterung des Bewusstseins“ angesehen wird, ist allerdings eine Initiation notwendig.

Lit.: Mayer, Gerhard: Moderne magische Praxis: Modelle ‒ Techniken ‒ Schulen. Grenzgebiete der Wissenschaft (GW) 59 (2010) 2, 99-134.
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