Muschel

Als im Meer lebendes Tier ist die M. häufig Attribut von Meeresgottheiten. Die weiße M. (Kauri Muschel) stand gelegentlich, z.B. in China, symbolisch in Zusammenhang mit dem Mond und damit auch mit dem Prinzip Yin und hatte die Bedeutung des im Dunkel Verweilenden, Verborgenen. Die im alten China den Verstorbenen in das Grab mitgegebenen M.n und Perlen waren Ausdruck für eine neue Geburt. In Altmexiko stand die mit der M. verwandte Schnecke für Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt. Der nordamerikanische Indianerstamm der Omaha sah in der zweischaligen M. die männliche und die weibliche Hälfte des Kosmos, deren Vereinigung Leben erzeugt. Die Tatsache, dass die M. in ihrer Form dem weiblichen Geschlechtsorgan ähnelt, dass sie an der Symbolik der fruchtbaren Wasser des Meeres teilhat und in sich die schöne Perle wachsen lässt, brachte sie mit Aphrodite (in Indien mit Lakshmi, der Göttin des Glücks und der Schönheit) in Verbindung. In frühchristlicher Zeit erscheint die M. als Sinnbild des Grabes, aus dem der Mensch am Jüngsten Tag auferstehen wird. Zum Mariensymbol wurde sie, weil Maria die kostbare Perle in ihrem Schoß trug.

Lit.: Lurker, Manfred: Wörterbuch der Symbolik. Stuttgart: Kröner, 1991.
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