Mumler, William H.

(* 26.05.1832 Boston; † 16.05.1884 ebd.), vermarktete als Erster erfolgreich Geisterfotografien als Beleg für die Existenz von Gespenstern.
Die versehentliche Doppelbelichtung einer bereits verwendeten und nicht gründlich gereinigten Fotoplatte machte ihn glauben, auf einem Selbstporträt den Geist seiner verstorbenen Kusine zu erkennen. Daraufhin richtete er 1862 in Boston ein eigenes Fotostudio ein, wo er zusammen mit seiner Frau seine Dienste als Medium und Ersteller echter Geisterfotografien anbot. Diese wurden zu einer Sensation, über die auch in Europa berichtet wurde. Das Geschäft damit erwies sich als äußerst lukrativ, doch mehrten sich die Stimmen, die seine Bilder als Fälschung bezeichneten. M. verließ daher 1868 Boston und eröffnete ein Atelier in New York, wo er 1869 des Betrugs angeklagt wurde. Allerdings fand das Gericht keinen schlüssigen Beweis für eine Fälschung der Fotografien.
Zu M.s berühmtesten Aufnahmen zählt eine um 1872 angefertigte Fotografie von Mary Todd Lincoln, der Witwe des 1865 ermordeten US-Präsidenten. Obwohl sie M. unter einem anderen Namen vorgestellt wurde und er ihre Identität vorgeblich nicht kannte, konnte er ein Foto anfertigen, auf dem scheinbar Abraham Lincoln und der im Jahr zuvor verstorbene Sohn hinter der Frau standen.
In den 1860er und 1870er Jahren fanden M.s Fotografien zahlreiche Nachahmer, mit Geisterfotografien von Moses, Abraham und anderen alttestamentlichen Propheten. Als Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr spiritistische Medien als Schwindler entlarvt wurden, verloren derlei Bilder in den USA jedoch an Popularität. Artikel in Fotojournalen beschrieben detailliert verschiedene Methoden wie Doppelbelichtungen oder Retusche, mit denen jeder Amateurfotograf Geisterfotografien erstellen konnte.

Lit.: Jolly, Martyn: Faces of the Living Dead: The Belief in Spirit Photography. London: British Library, 2006.
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