Mumifizierung

Künstlich vom Menschen betriebene Technik zur Konservierung eines Körpers oder Körperteils von Menschen oder Tieren unter bestimmten, meist trockenen Bedingungen. Bei der Ganzkörpermumifizierung spricht man von einer Mumie. Entsteht diese Mumie aufgrund eines natürlich ablaufenden Prozesses handelt es sich um eine Mumifikation.
Der Glaube, dass der Körper nach dem Tod im Jenseits weiterleben würde, führte die Ägypter dazu, nach Mitteln zur Konservierung zu suchen. Die ersten sicheren Zeugnisse einer M. stammen aus der Thinitenzeit vor Beginn des Alten Reiches. Damals begnügte man sich damit, das Leichentuch oder die Binden, mit denen man den Körper einwickelte, mit Natron oder Harz zu tränken. Im Alten Reich wurde die Methode verbessert, indem man zur Entfernung der Eingeweide am Körper einen Einschnitt vornahm. Ihre Perfektion erreichte die M. aber erst im Neuen Reich, als es gelang, den jeweiligen Gesichtsausdruck der Verstorbenen zu bewahren.
Als wichtiger Schritt bei der M. galt die Einbalsamierung, welche in drei Klassen unterteilt war. Bei Personen aus ärmeren Schichten wurde lediglich eine Art Rettichsaft in die Gedärme injiziert und der Körper dann in einem Natronbad getrocknet. Bei einer M. zum mittleren Preis spritzte man Zedernöl in den Unterleib und tauchte den Körper daraufhin in Natron. Wenn man ihn wieder herauszog, floss auch das Zedernöl heraus und führte die mittlerweile verflüssigten Eingeweide mit sich. Die echte M. erster Klasse war hingegen sehr kostspielig. Zunächst wurde mittels eines in die Nasenlöcher eingeführten Hakens das Gehirn herausgezogen. Dann wurde an einer markierten Stelle ein Einschnitt vorgenommen, durch den die Balsamierer dem Körper, mit Ausnahme von Herz und Nieren, die Eingeweide entnahmen, die sie mit Palmwein und Parfümen wuschen und in die Kanopen legten. Der Körper wurde mit Zederngummi, Myrrhe, Zimt und anderen Parfümen gefüllt, wieder zugenäht und in ein Natronbad getaucht. Nach 70 Tagen wurde er diesem entnommen, gewaschen und in mit Gummiarabikum getränkte Binden gewickelt, denen an vorgeschriebenen Stellen Amulette beigegeben wurden. Nach einem nochmaligen Umwickeln des Körpers mit Leichentüchern aus stärkerem Leinen galt der Vorgang als abgeschlossen.

Lit.: Rachet, Guy: Lexikon des alten Ägypten. Darmstadt: Primus Verlag, 1999; Assmann, JanTod und Jenseits im alten Ägypten. München: C.H. Beck, 2001.
Setze ein Lesezeichen für den Permalink.