Mumie

Bezeichnung der Überreste von menschlichen oder tierischen Körpern, die durch physikalische oder chemische Gegebenheiten vor der natürlichen Verwesung geschützt und in ihrer allgemeinen Form erhalten sind. Eine M. kann vom Menschen durch besondere Verfahren künstlich hergestellt werden (Mumifizierung) oder „von selbst“ durch natürlich ablaufende Prozesse entstehen (Mumifikation). Das Endergebnis wird in beiden Fällen als „mumifiziert“ bezeichnet.
Die Bezeichnung „Mumie“ leitet sich über lat. mumia, ital. mummia und arab. mūmijā, „einbalsamierter Leichnam“, vom persischen Wort mumia ab (neupers. mūm), was „Bitumen, Erdpech“ bedeutet.

Im Alten Ägypten wurde der Begriff Mumia namengebend, weil bei den altägyptischen Mumien zumeist die schwärzlich-harzigen Substanzen verwendet wurden. Bitumen kam erst in griechisch-römischer Zeit zum Einsatz.
Pulverisierte M.n wurden als magische Ingredienz für Lebenselixiere und Liebestränke verwendet. Mumia vera, das Pulver aus der echten M., sollte Krankheiten heilen, aber auch erschlaffte Körper und Glieder beleben. Im Mittelalter wurde mit ägyptischen M.n ein regelrechter Handel betrieben. Sie landeten nicht in Museen, sondern verschwanden in den Mörsern von Apothekern und wurden vor allem in Europa Lebenselixieren, Liebestränken und Aphrodisiaka beigemischt. Mumie bzw. Mumia war in der frühen Neuzeit eine Apothekerdroge. Selbst in der Preisliste des Darmstädter Pharmawerkes E. Merck schien noch 1924 Mumia vera Aegyptica auf.
In der frühen Neuzeit wurden vier Arten von „Mumien“ als Apothekenmittel unterschieden:
1) „Mumie der Araber“: Saft, der aus der mit Aloë, Myrrhe und Balsam beigesetzten Leiche fließt;
2) „Mumie der Ägypter“: mit Erdpech (Asphaltbitumen) versetzter Leichensaft;
3) „Künstliches Erdpech“;
4) „Die im Sand von der Sonnenhitze gedörrte Leiche“.
Zur Zeit des Paracelsus wurde auch das eingedickte oder festgetrocknete menschliche Sperma „Mumie“ genannt und zu Liebesmitteln verarbeitet.
Vermutlich enthielten pulverisierte Mumien außer zahlreichen stimulierenden Harzen und Pflanzenextrakten große Mengen an Alkaloiden. Somit waren die Mumienelixiere echte Rauschmittel mit aphrodisischer Wirkung.

Lit.: Germer, Renate: Mumien: Zeugen des Pharaonenreiches. Zürich/München: Artemis & Winkler, 2001; Rätsch, Christian/Müller-Ebeling, Claudia: Lexikon der Liebesmittel: pflanzliche, mineralische, tierische und synthetische Aphrodisiaka. Aarau: AT Verlag, 2003.
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