Muller, Catherine-Élise

Pseud. Hélène Smith (* 09.12.1861 Martigny, Schweiz; 10.06.1929 Genf), Malerin und Medium.
Ab 1891 betätigte sich M. in spiritistischen Sitzungen als Medium. Sie behauptete, in Séancen mit dem verstorbenen Schriftsteller Victor Hugo und dem Zauberkünstler Alessandro Cagliostro kommuniziert zu haben. Später gab sie an, mit den Bewohnern von Mars, Uranus und Mond in Kontakt zu stehen, und beschrieb deren Leben und Sprache. Wie jedoch genaue Sprachanalysen durch den Psychologen Théodore Flourney ergaben, war die von M. verwendete vermeintliche ,Marsspracheʽ in Wirklichkeit ein verballhorntes Altfranzösisch. Damit war der Fall Muller einer der Ersten, durch den gezeigt werden konnte, dass mediale Produktionen ihren Ursprung im persönlichen dramatisierenden Unbewussten haben. Für Flournoy war M. eine Sprachschöpferin und Dichterin. In späteren Betrachtungen wurde der Zusammenhang mit der öffentlichen Debatte um die 1877 entdeckten (vermeintlichen) Marskanäle betont.
Um 1900 fand M. eine vermögende Amerikanerin, die ihr weitere Séancen ermöglichte und für ihren Lebensunterhalt aufkam. M. widmete sich nunmehr auch der Malerei mit christlichen Motiven. Nach ihrem Tod organisierte das Kunstmuseum Genf eine Ausstellung mit ihren Bildern. Die Surrealisten sahen in ihr eine Protagonistin der Écriture automatique.

Lit.: Flournoy, Théodore: From India to the Planet Mars: A Study of a Case of Somnambulism with Glossolalia. New York, 1901; ders.: Die Seherin von Genf. M. Geleitw. v. Max Dessoir. Leipzig: Meiner, 1914; Giacomelli, Roberto: Lo strano caso della Signora Hélène Smith: spiritismo, glossolalia e lingue immaginarie. Mailand: Libri Scheiwiller, 2006.
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