Mula Djadi

Bei den Batak, den Ureinwohnern Nordsumatras, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Kopfjäger waren, die oberste unsichtbare Gottheit allen Seins, der „Herr der Welt“ und Weltschöpfer. Das Volk nennt ihn ,,unser Großvater“. Dieser Mula Djadi, Ursprung des Werdens ohne Anfang und Ende, schuf die Götterwelt, obenan die göttliche Trias der drei Stammväter, und die ersten Menschen. Er schuf ebenso die Unterwelt, in der eine gefesselte Schlangengottheit (Naga Padoha) herrscht. Die Mittelwelt, wo die Menschen leben, wurde von seiner Tochter erschaffen, die als Kulturstifterin gilt.
Alle Geschöpfe haben sich dem allgemeingültigen Weltgesetz (Adat) zu unterwerfen. Die Adat reicht in sämtliche Bereiche des sozialen und religiösen Lebens, sie gilt mehr als alle Religion, die vermenschlicht sein kann. Sie ist unmittelbarer Ausdruck des unsichtbaren Weltschöpfers. Die Weltkraft äußert sich in ,,Tondi“, einer geistigen Energie, die in allem steckt: Steinen, Handwerkzeug, Organen, Abdrücken, auch im Schatten und im Wort.

Lit.: Lechner-Knecht, Sigrid: Totenbräuche und Jenseitsvorstellungen bei den heutigen Indianern und bei asiatischen Völkern, in: Andreas Resch: Fortleben nach dem Tode (Imago Mundi; 7). Innsbruck: Resch, 4. Aufl., 1980.
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