Moulin, Atonia

Sachverhalt: Antonia Moulin wurde am 13. April 1877 in Vienne (Frankreich) geboren, wo sie auch zur Zeit der Heilung am 10. August 1907, im Alter von 30 Jahren, lebte.
Das Leben der jungen Frau ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Nach dem Abklingen einer Krankheit, die zur damaligen Zeit ernst genug war, um einen Spitalsaufenthalt nötig zu machen, entwickelte sich im Februar 1905 am rechten Bein ein Abszess mit Phlebitis (Venenentzündung) und Lymphangitis (Entzündung der Lymphbahnen). Antonia verbrachte sechs Monate im Krankenhaus. Im September 1905 fuhr sie mit der Pilgergruppe von Grenoble nach Lourdes und kehrte fünf Tage später ohne jede gesundheitliche Besserung in das Spital nach Vienne zurück. Ihr Zustand verschlechterte sich. Es bildeten sich weitere Abszesse, die zu zeitweiligen Fistelbildungen führten. Dies zog sich fünf Monate hin, bis zum März 1906. Anschließend war sie im „Hotel-Dieu“ in Lyon untergebracht, wo sich trotz der vielfältigen Therapien keine Besserung einstellte.
Als man sie 1906 dem Tode nahe wähnte, wollte sie zu ihren Verwandten gebracht werden. Ihr Allgemeinzustand blieb trotz aller Behandlung weiterhin ernst. Die lokale Wunde am Oberschenkel nahm an Umfang und Tiefe zu und sonderte unaufhörlich Eiter ab. Das Knie schwoll an und versteifte sich.
Zwei Jahre nach ihrem ersten Besuch in Lourdes unternahm Antonia im August 1907 eine neuerliche Reise dorthin. Der übel riechende Eiter war für die anderen im Auto eine große Belastung. Am zweiten Tag nach ihrer Ankunft wurde sie am 10. August noch einmal zu den Bädern geführt. Als man sie erneut verbinden wollte, merkte man, dass die Wunde vernarbt und ihr Bein „wie neu“ war. Sie wurde gleich zur Grotte gebracht, sodass sie umhergehen konnte, und von dort zum Ärztebüro, wo die Heilung nach eingehender Untersuchung bestätigt wurde.
Nach ihrer Rückkehr nach Hause war die ganze Umgebung sprachlos, allen voran ihr Arzt, der schriftlich festhielt, dass es sich hier „um eine wissenschaftlich nicht erklärbare Heilung“ handelte.
In den Jahren 1908, 1909 und 1910 kam Antonia Moulin jeweils als Helferin wieder nach Lourdes, wobei sie es sich nicht nehmen ließ, bei diesen Gelegenheiten auch das Ärztebüro und Dr. Boissarie zu besuchen.
Medizinisches Gutachten:
Diagnose: Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung) mit Fisteln am rechten Oberschenkelknochen und Arthritis am Knie.
Prognose: Keine Aussicht auf Heilung und Lebensgefahr (infaust quoad valetudinem et vitam).
Therapie: Unwirksam.
Art der Heilung: Plötzlich, vollständig und dauerhaft, medizinisch nicht erklärbar.
Kirchliche Approbation: Am 6. November 1910 wurde die Heilung von Antonia Moulin nach Begutachtung durch eine Diözesankommission von Bischof Paul E. Henry von Grenoble als Wunder anerkannt.

Lit.: Resch, Andreas: Die Wunder von Lourdes (Reihe R; 5). Innsbruck: Resch, 2., verb. Aufl. 2015.
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