Motte-Guyon, Jeanne Marie de la

(* 13.04.1648 Montargis; † 09.06.1717 Diziers bei Blois, Frankreich), katholische Mystikerin aus adeligem Geschlecht, Hauptvertreterin der quietistischen Mystik. Schon als Kind las sie die Schriften von Franz von Sales. Bereits mit 16 Jahren mit Jacques de la Motte-Guyon vermählt, wurde sie 1676 Witwe. Ihre ekstatischen Visionen beschrieb sie in ihrem reichen schriftstellerischen Werk. Ihre Schriften Moyen Court und die Règles des assocées à lʼEnfance de Jésus kamen 1688 auf den Index der verbotenen Bücher. Im gleichen Jahr nahm der Mystiker François Fénelon brieflichen und persönlichen Kontakt mit ihr auf. Er wurde ihr Seelenfreund und später auch Verteidiger ihrer mystischen Anschauungen. Wegen ihrer quietistischen häresiesuspekten Mystik wurde Madame Guyon seitens der katholischen Kirche verfolgt und mehrfach inhaftiert. Am 15.04.1695 leistete sie den verlangten Widerruf der 30 von einer Theologenkommission unter Führung von Bossuet für ketzerisch befundenen Sätze. Nach ihrem Tod fanden ihre Schriften vor allem unter den Protestanten großen Anklang und wurden von deren Autoren publiziert.

W.: Vie de Madame Guyon, Ecrite Par Elle-Méme. 3 vols. Paris 1791.
Lit.: Mallet-Joris, Françoise: Jeanne Guyon. Paris: Flammarion, 1978; Coslet, Dorothy: Madame Jeanne Guyon: Child of Another World. Christian Literature Crusade, 1984.
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