Mother Shipton

Ursula Southiel (1488-1561), Yorkshire/England, war bereits im Alter von 24 Jahren für ihre oft in Rätseln und Reimen abgefassten Vorhersagen künftiger Ereignisse bekannt.
Die erste Druckfassung ihrer angeblichen Prophezeiungen erschien 80 Jahre nach ihrem vermutlichen Todesdatum. Darin enthalten sind hauptsächlich regionale Vorhersagen und zwei als prophetisch hingestellte Verse. 1684 erschien The Life and Death of Mother Shipton von Richard Head, eine fiktionale Biografie. Die meisten der heute im Umlauf befindlichen angeblichen Prophezeiungen von Mother Shipton gehen auf das 1862 erschienene Buch Mother Shipton von Charles Hindley zurück und weichen erheblich von den Versen in den früheren Druckwerken von 1641 und 1684 ab. Hindley räumte schon 1873 ein, dass er die Prophezeiungen frei erfunden hatte, darunter auch eine Ankündigung des Weltuntergangs für 1881: „The world to an end shall come, In eighteen hundred and eighty one“ („Die Welt soll zu einem Ende kommen in 1881“). 1881 erschien auch die erste Buchdokumentation von William H. Harrison über die Entstehung der Sagen um Mother Shipton: Mother Shipton – The Yorkshire Sybil Investigated. The Result of a Critical Examination of the Extant Literature Relating to the Yorkshire Sibyl. Harrison kommt zu dem Schluss, dass es für einen historischen Kern der Geschichten um Mother Shipton keine stichhaltigen Belege gäbe. Sie ist in die gleiche Kategorie einzureihen wie König Artus oder Robin Hood Sagengestalten, die möglicherweise auf einer realen Person beruhen, deren Geschichten aber immer weiter ausgeschmückt wurden.

Lit.: Harrison, William H.: Mother Shipton investigated: the result of critical examination in the British Museum Library of the literature relating to the Yorkshire sibyl / Repr. of the 1881 ed. Folcroft, Pa.: Folcroft Library Editions, 1977.
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