Mormonen

Amerikanische Neureligion, Selbstbezeichnung: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, gegründet im April 1830 von dem Farmgehilfen Joseph Schmith (1805-1844). Dieser hatte behauptet, 1820 in einer Vision Gott und Jesus Christus gesehen zu haben. 1823 sei er dann von einem „Engel Moroni“ besucht worden, der ihm 1827 auf dem Hügel Cumorah (N.Y.) vergrabene Goldplatten mit Berichten über die Einwanderung von Israeliten nach Amerika (600 v.Chr.) übergeben habe. Mittels einer „Prophetenbrille“ „übersetzte“ er die in altägyptischen Zeichen abgefassten Texte ins Englische und veröffentlichte diese 1830 als „Das Buch Mormon“ (benannt nach einem „amerikanischen Popheten“ des 5. Jh. namens „Mormon“). Die neue Gemeinschaft fand rasch Anhänger und vebreitete sich ab 1830 weiter nach Westen. Um 1840 entstand eine große M.-Kolonie in Nauvoo in Illinois, wo Smith im Juni 1844 nach tätlichen Auseindersetzungen mit einem früheren Mitglied ins Gefängnis verbracht und von einer Menschenmenge erschossen wurde. Sein Nachfolger, Brigham Joung (1801-1877), führte die „Heiligen“ 1846/47 in die Rocky Mountains.
Der Mormonismus, der sich als die „einzig wahre christliche Kirche auf Erden“ versteht, fußt auf den beiden Prinzipien „Neue Offenbarungen“ und „Wiederherstellung“. Alle Ämter, Lehren und Einrichtungen der Ur-Gemeinde, durch einen angeblichen „Glaubensabfall“ zerstört, seien in der neuen Religion vermittels „neuer Offenbarungen“ durch Smith wiederhergestellt worden. Dazu gehören auch von der Bibel abweichende Lehren (Gott sei ein erhöhter Mensch; Menschen könnten Götter werden; Amerika als „Kontinent des Heils“; mormonisches Priestertum) sowie die geheimen Tempelrituale.
Die Mormonen leben in Gemeinden, von denen mehrere einen Pfahl (vgl. Jes 33,20) bilden.
An der Spitze ihrer Organisation stehen die „Erste Präsidentschaft“ (der „Prophet“ und zwei Ratgeber) und der „Rat der Zwölf“ (Apostelkollegium). Das priesterliche Amt gliedert sich in die einfache „Aarons-“ und die höhere „Melchisedekpriesterschaft“.

Lit.: Hauth, Rüdiger: Mormonen, in: Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), Bd. 7. Freiburg i.Br. u.a.: Herder, 1998.
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