Morienus

Auch Morienes oder Marianos, legendärer christlicher Einsiedler (Ende 7. Jh.), der in den Bergen nahe Jerusalem gelebt haben soll; Alchemist.
Das Buch des M. kennt man nur in lateinischer Übersetzung aus dem Arabischen, die laut Vorrede 1182 abgeschlossen wurde. Damit galt sie als die früheste aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzte alchemistische Schrift. M. soll nach den Angaben in der Vorrede seiner Schrift De transfiguratione metallorum (Über die Umwandlung der Metalle) im vierten Jahr nach dem Tod des Kaisers Heraklius (603-641) als Mönch in der Nähe von Jerusalem gelebt haben. Seine Kunst will er von Hermes Trismegistos und Stephanos von Alexandria (Anfang 7. Jh.) erlernt haben. M. unterwies seinerseit den arabischen Prinzen Khalid ibn Yazid in der hermetischen Kunst. Nach erfolgreicher Herstellung des sagenhaften Elixiers zog er sich wieder in die Einsamkeit zurück. Sein Schüler Khalid spürte ihn jedoch auf. Der dabei angeblich geführte Dialog des M. mit Khalid kursierte seit dem 13. Jh. in mehreren lateinischen Handschriften, seit 1559 als Druck unter dem Namen Liber de compositione alchemiae (Buch der Beschaffenheit der Alchemie) bzw. De transfiguratione metallorum. Sein Inhalt beruht auf griechischen Autoren, wenngleich zahlreiche Eigennamen aus dem Arabischen stammen.

Lit.: Claus Priesner/Karin Figala: Alchemie (Hrsg.): Lexikon einer hermetischen Wissenschaft. München: Beck, 1998.
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