Morgenstern, Christian Otto Josef Wolfgang

(* 06.05.1871 München; † 31.03.1914 Untermais, Tirol, Österreich-Ungarn), deutscher Dichter, Schriftsteller und Übersetzer; vor allem bekannt geworden durch seine komische Lyrik, die jedoch nur einen Teil seines Werkes ausmacht.
Von seiner witzig-grotesken Lyrik sind vor allem Galgenlieder (1905), Palmström (1910) und Der Gingganz (postum 1919) zu nennen. Derlei Werke verfasste er für seine Freunde aus der Berliner Boheme, während er hingegen in seinen frühen lyrischen Werken das Schaurige und Groteske thematisierte. Später wandte er sich der Sprache als inhaltlichem Gegenstand seiner Gedichte zu und schloss sich dabei der skeptischen Sprachauffassung Fritz Mauthners an. M. erkannte in der Sprache die Fähigkeit zum Spiel, die er selbst zur Erschaffung einer virtuosen Sprachwelt nutzte.
Im Januar 1909 schloss er bei den Berliner Vorträgen Rudolf Steiners mit diesem eine enge und dauerhafte Freundschaft und trat im Mai der von Steiner geführten Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft bei. Bei der folgenden Spaltung der Körperschaft 1912/13 blieb er an der Seite Steiners und wurde Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft.
In der Villa Helioburg in Untermais (seit 1924 nach Meran eingemeindet) arbeitete er noch am Druckbogen der Sammlung Wir fanden einen Pfad (1914). Darin und in Stufen (1919) beschrieb er den anthroposophischen Weg in Gedichtform.
M. starb am 31. März 1914 gegen fünf Uhr morgens, betreut von seinem Arzt Christoph Hartung von Hartungen, in der Villa Helioburg und wurde am 4. April in Basel eingeäschert. Die Urne bewahrte Rudolf Steiner auf, bis sie im neuen Goetheanum aufgestellt wurde. 1992 wurde sie auf dem Goetheanum-Gelände beigesetzt.

Lit.: Bauer, Michael: Christian Morgensterns Leben und Werk. München: Piper, 1933 (vollendet von Margareta Morgenstern und Rudolf Meyer. Mit Beiträgen von Friedrich Kayssler und anderen). Neu aufgelegt 1985 durch Urachhaus, Stuttgart; Hiebel, Friedrich: Christian Morgenstern: Wende und Aufbruch unseres Jahrhunderts. Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben, 1987.
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