Montanismus

Auch phrygische Häresie bzw. Neue Prophetie als Selbstbenennung, war eine christliche prophetische Bewegung ab ca. 160 n. Chr. in Kleinasien, die sich dann nach Syrien, Thrakien und Nordafrika ausbreitete. Die Mitglieder glaubten sich im Besitz von Offenbarungen des Heiligen Geistes, die ihrem Gründer Montanus im Hinblick auf das bevorstehende Weltende eingegeben worden seien. Ihre strenge Ethik zielte auf eine Erneuerung und Vervollkommnung der kirchlichen Lebensordnung ab (Martyrium, Ehe, Fasten, Buße). Die Montanisten belebten die Endzeiterwartung und wandten sich gegen Sittenverfall und Verweltlichung. Die Bewegung wurde später als Häresie verurteilt.
Theologisch löste sie einen Reflexionsprozess in der Großkirche aus, insbesondere zu den Themen Prophetie, Amt und Geist, Synoden und Autorität des Kanons. Zwar war der M. im Grunde rechtgläubig, doch wurde er vor allem wegen seiner schwärmerisch-endzeitlichen Verkündigung als Problem empfunden. Um 177 exkommunizierte die Kirchenleitung Montanisten, weil sie die Einheit der Kirche gefährdet sah. Seinen Höhepunkt erreichte der M. als selbständige Bewegung im 3. Jh. in Karthago, als sich ihm Tertullian anschloss.
407 erließ dann Kaiser Honorius Gesetze gegen den M. Nach Gregor dem Großen (Epistula 11) erscheint er um 600 erloschen.

Lit.: Bonwetsch, Gottlieb Nathanael: Die Geschichte des Montanismus. Erlangen, 1881.
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