Mondgottheiten

In vielen älteren Mythologien ist der Mond männlich. Man denke an Chandra im Hinduismus. Als Stammvater und/oder als Heilsbringer kann der Mond mit dem Höchsten Wesen verschmelzen (z.B. bei den Pygmäen).Vom Mutterrecht beeinflusste Kulturen hingegen projizieren in den Mond ein weibliches Wesen, die Urmutter, die einem Sohn (Sonne) oder zweien (Hellmond und Dunkelmond) das Leben schenkt. Weibliche Tätigkeiten sowie die Beziehung zum weiblichen Geschlecht ließen die Mondgöttinnen zu Muttergottheiten werden.
Da die Phasen des Mondes ein objektives Zeitmaß sind, wurde der Mondgott zum Gott der Zeiteinteilung. So ist der ägyptische Thot Herr von Zeit, Zahl, Maß und Gesetz. Der babylonische Sin wird oft mit dem Zahlzeichen 30 (für die Tage des Monats) geschrieben. Die baltischen M.en haben ihren Namen von der indogermanischen Wurzel me (messen). Die Mondphasen werden mit Tod und Auferstehung in Verbindung gebracht.
Bei manchen M.en tritt ihre Beziehung zum Wasser in den Blick. Laut Rigveda ist der Mond „in den Wassern“; der Niil galt als „Ausfluss des Osiris“; die griechische Mondgöttin Selene sah man als Spenderin des Taus.

Lit.: Lurker, Manfred: Wörterbuch der Symbolik. Stuttgart: Kröner, 5., durchges. u. erw. Aufl. 1991; Bi, Feiyu: Die Mondgöttin. München: Blessing, 2006.
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