Moleoskopie

Bei der M. wird anhand von Körpermalen wie z.B. Leberflecken versucht, Charakter und Zukunft eines Menschen zu deuten. Ihren Höhepunkt erreichte diese Wahrsagetechnik gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als der Engländer Richard Saunders eine Studie zum Thema verfasste. Von zwei Stichen aus seinem Werk bezeichnete der eine jene Körperstellen, an denen häufig Male auftreten, während der andere Zusammenhänge zwischen Gesichtsmalen und den Bahnen von Gestirnen andeutete.
Das britische Parlament erklärte jedoch sämtliche Physiognomisten zu Schurken und Vagabunden und ließ 1743 verfügen, das man sie öffentlich auspeitschen und einkerkern solle.
Neuen Auftrieb bekam die Deutung von Gesichtszügen durch den Züricher Pastor und Dichter Johannes Kaspar Lavater, der 1775 den ersten Band seines Werkes Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe herausgab. Sein Anliegen war es, in der Physiognomik ein Klassifikationssystem zu schaffen, das zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen sollte. So war beispielweise eine schöne Nase für ihn ein Zeichen für einen außergewöhnlichen Charakter, wobei er jedoch einräumte, dass ein Mensch sich charakterlich durchaus über den Makel einer unvollkommenen Nase erheben könne.

Lit.: Wahrsagungen und Prophezeiungen. Time-Life Bücher, Amsterdam, 1988.
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