Mohn

Seine früheste Erwähnung findet sich auf einer sumerischen Schreibtafel (um 3000 v. Chr.), wo er als „Pflanze des Glücks“ beschrieben wird. Die Assyrer bezeichneten ihn als „Pflanze des Lebens“ und schätzten vor allem seine Wurzel als Aphrodisiakum. „Blume der Freude“ hieß die Pflanze im alten Orient.
Der Schlafmohn (Papaver somniferum) zählt zu den wichtigsten Heilpflanzen der Pharmaziegeschichte. Schon die Ägypter des Mittleren Reiches kannten seine schlaffördernde Wirkung. Von den Griechen wurde ihm aphrodisische, berauschende und narkotische Wirkung zugeschrieben. M. und Schlaf wurden nahezu gleichbedeutend genannt. So stellte man Hypnos, den Gott des Schlafes, mit Mohnstängeln in Händen dar. Thanatos, den Tod, zierten Mohnkränze, ebenso die Erdgöttin Demeter. Außerdem gehörte der M. zu den wichtigsten Pflanzen der Liebesgöttin Aphrodite.
Mohnkapseln liefern den Opium genannten Milchsaft (nach Ovid der „Saft vom Kraut des Vergessens“), der nach Anritzen der unreifen Frucht hervorquillt. Anfang des 19. Jh. gelang es Chemikern, die Wirkstoffe von Papaver somniferum L. zu isolieren, wobei sie auf ein Alkaloid mit stark narkotischen Eigenschaften stießen, das sie Morphium nannten.
Neben dem Schlafmohn ist auch der durch seine roten Blüten bekannte Klatschmohn (Papaver rhoeas L.), die sog. Feuerblume, zu nennen, die von Renaissance-Malern mit dem Jüngsten Gericht in Verbindung gebracht wurde. Er war einst dem germanischen Gott Thor geweiht, wohingegen der mittelalterliche Volksglaube ihn in die Nähe des Teufels stellte.

Lit.: Hartmann, Walter: Der Mohn, seine Kultur, Geschichte und geographische Verbreitung, sowie Art und Ausdehnung des Opiumgenusses. Jena, 1915; Zerling, Clemens: Lexikon der Pflanzensymbolik. Baden/München: AT Verlag, 2007.
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