Mittagsdämon

Die Mittagsstunde wurde im Volksglauben der Antike und des Mittelalters als die bevorzugte Zeit von Geistern und Göttern angesehen. Der Begriff taucht erstmals in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung der hebräisch-aramäischen Bibel um 250 v. Chr. auf (vgl. Ps 91,6: die „Seuche, die wütet am Mittag“). Im 4. Jh. n. Chr. setzte der Mönch Euagrios Pontikos den M. mit dem der Akedia, der Trägheit, gleich, welche die Menschen zwischen 10 und 14 Uhr beschleiche.
Im Lateinischen wurde der griech. Ausdruck daimonion mesembrinon zu daemonium meridianum. Die erste Erwähnung im deutschsprachigen Raum findet sich im Dialogus miraculorum des Zisterziensermönchs Caesarius von Heisterbach im 13. Jahrhundert.

Lit.: Grau, Dietrich: Das Mittagsgespenst (daemonium meridianum): Untersuchungen über seine Herkunft, Verbreitung und seine Erforschung in der europäischen Volkskunde. Bonn 1966; Sailer-Wlasits, Paul: Stillstand oder die Last des Mittagsdämons, in: Ders.: Uneigentlichkeit. Philosophische Besichtigungen zwischen Metapher, Zeugenschaft und Wahrsprechen. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2020.
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