Mischwesen

Mischgestaltige Wesen, deren äußeres Erscheinungsbild teils von tierischen, teils von menschlichen Formen geprägt ist. Wenngleich z.B. Götter bevorzugt in Menschengestalt dargestellt werden, lassen sich Abweichungen feststellen durch:
die Multiplikation von Körperteilen (Mehrköpfigkeit, Vielarmigkeit),
die Vermischung der Geschlechter (Androgynität),
die Kombination von tierischen und menschlichen Gestaltformen.
Dadurch sollen der besondere übermenschliche Aspekt bzw. die übernatürliche Macht zum Ausdruck kommen.
Während übernatürliche M. im Zusammenhang mit Gottesvorstellungen in der europäischen Geistesgeschichte lediglich eine untergeordnete Rolle spielten, traten sie bei ikonografischen Ausgestaltungen von Engel- und Dämonenvorstellungen besonders hervor. So erscheinen mit Flügeln ausgestattete, menschengestaltige Engelwesen als dem Menschen hilfreich zur Seite stehende Geister, wohingegen Dämonen meist als angsterregende Monster mit grotesken Übersteigerungen dargestellt werden. Im archäologischen Sprachgebrauch werden ‒ abweichend vom allgemeinen Sprachgebrauch ‒ als „Monster“ Mischwesen mit Tierkörpern und Tierköpfen (z.B. Greif, Mantikor, Drachen) bezeichnet, häufiger jedoch Tierkörper mit menschlichen Köpfen wie der Sphinx (Menschenkopf und Löwenkörper), Zentauren (Menschenoberkörper und Pferdeleib) oder Meerjungfrauen (Frauenoberkörper und Fischunterleib). > Chimäre.

Lit.: Metzler Lexikon Religion: Gegenwart ‒ Alltag ‒ Medien, Bd. 2. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler, 1999; Speyer, Wolfgang: Mischwesen, in: Reallexikon für Antike und Christentum, Bd 24. Stuttgart: Hiersemann, 2012.
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