Mirjam von Abellin

Mirjam Baouardy (* 05.01.1846 Iblin (Abellin) in Galiläa; † 26.08.1878 Bethlehem), heilig (17.05.2015, Fest: 26. August), stigmatisierte arabische Karmelitin, Mystikerin.
Ihr unstetes Leben war von Leiden aller Art, aber auch von außerordentlichen mystischen Gnaden gekennzeichnet. M. entstammte einer katholischen Familie des melkitischen Ritus. Zwölf ihrer Geschwister starben bereits im Kleinkindalter. Die Eltern gelobten daraufhin bei einer Wallfahrt nach Bethlehem, ihre nächste Tochter Maria zu nennen. Zwei Jahre nach Mirjams Geburt wurde ihr Bruder Bulos geboren, den eine Tante aus Tarschiha unweit von Nazareth adoptierte. Ein Jahr später starben die Eltern und M. wurde von einem Onkel aus Alexandria adoptiert, der für ihre Erziehung sorgte. Die beiden Geschwister sahen sich nie wieder.
Mit 13 Jahren sollte M. verheiratet werden, doch widersetzte sie sich dem Vorhaben ihres Onkels. Als sie sich mit einem Brief an ihren Bruder im Gedanken an eine Flucht einem muslimischen Bediensteten ihres Onkels anvertraute, der sie zum Islam bekehren wollte, schnitt ihr dieser am 8. Sept. 1858 mit einem Dolch die Kehle durch und warf sie in eine Seitengasse ‒ in der Meinung, M. sei tot. Sie fand sich dann jedoch auf wundersame Weise in einer Höhle wieder, wo sie durch das Eingreifen Mariens (in Gestalt einer Nonne) geheilt wurde. Diese prophezeite ihr, dass sie in Frankreich in einem Kloster leben und in Bethlehem als Karmelitin sterben werde. Später kam M. zu den Franziskanern und diente dann bis 1863 als Dienstmagd in Alexandrien, Jerusalem, Beirut und Marseille, wo sie in Capelette in den Orden des hl. Joseph eintrat. In dieser Zeit erlebte sie zahlreiche Ekstasen und die Einprägung der Stigmen. Aufgrund ihrer unverstandenen Situation entlassen, wurde sie 1867 Karmelitin in Pau bei Lourdes (mit Namen Sr. Maria v. Jesus dem Gekreuzigten). 1868 empfing sie in einer Ekstase die Durchbohrung des Herzens. 1870 weilte sie zwecks Klostergründung in Mangalore, Indien. Sie kehrte dann wieder nach Palästina zurück, wo sie in Bethlehem 1875 einen Karmel gründete, in dem sie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Ihr Leben war begleitet von Visionen, Ekstasen, Levitationen, Prophetie und Seelenschau.

Lit.: Brunot, Amédée: Licht vom Berge Tabor. Mirjam, die kleine Araberin (Sr. Maria von Jesus dem Gekreuzigten OCD). Stein am Rhein: Christiana, 2. Aufl. 1982; Fleckenstein, Karl-Heinz: Mirjam Baouardy: Das „Kleine Nichts“ aus Bethlehem. Leben, Gedanken und Wirken einer Araberin und Christin. Ottersweier, 1997; Resch, Andreas: Die Seligen Johannes Pauls II. 1979-1985. Innsbruck: Resch, 2000 (Selige und Heilige Johannes Pauls II.; 1), S. 113-116.

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