Milchopfer

Milch findet man bei Hirtenvölkern als reines Geschenkopfer, wo sie als die natürlichste Gabe angesehen wird, die man der Gottheit bieten kann. Sie wird in diesem Zusammenhang auch als Träger magischer Kraft und Zauberkraft zur Stärkung und zur Beeinflussung des eigenen Orenda (der übernatürlich wirkenden inneren Kraft) verwendet.
Als spezielles Geschenkopfer an die Götter war M. in der Antike bei Griechen und Römern sehr verbreitet, so im Romuluskult, bei der Opferung an Hestia oder Jupiter latiaris. Ziegenmilchspenden kennt man von den Babyloniern, Milch- und Honigopfer von den Persern. Auch die Phönizier opferten Milch, ebenso die Inder zusammen mit Butter und Kuchen.
Milch gilt zudem als begehrter Lebenstrank der Elben, Kobolde und aller Vegetationsdämonen, die damit für ihre Dienste belohnt werden.
Auch bei Vegetationsopfern für Bäume (bzw. Baumgeister) und Quellen sowie bei Fruchtbarkeitsopfern kam M. zum Einsatz.
Als Bauopfer findet M. ebenso Verwendung. So sollen beim Hausbau in Indien mancherorts ein Hühnerei, geronnene Milch und Reis vergraben und geronnene M. um das Haus gesprengt werden. Beispiele aus Afrika künden davon, dass die erste Milch im neuen Haus den Ahnen geopfert werde, was als Versöhnungsopfer für die Hausgeister gedacht ist, mit apotropäischem Nebenzweck.
Nicht zuletzt gehörte M., neben Honig und Wein, zu den gebräuchlichsten Totenopfern.

Lit.: Bächtold-Stäubli, Hanns Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 6. Berlin: Walter de Gruyter, 1987.
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