(* Um 1180 in Schottland oder Irland; † um 1235), scholastischer Philosoph, Übersetzer, Mediziner, Alchemist und Astrologe, von Dante Alighieri als Magier beschrieben. Bekannt wurde der am Hof von Kaiser Friedrich II. tätige Scotus vorwiegend durch lateinische Übersetzungen von Avicenna (De animalibus), von Aristoteles (De animalibus) sowie ihm zugeschriebene und im Fall von De caelo wohl auch wirklich von ihm selbst durchgeführte Übersetzungen von Averroes-Kommentaren aristotelischer Werke aus dem Arabischen.
Bevor Scotus nach Toledo ging, um als Übersetzer und Astrologe zu arbeiten, lehrte er schon lateinische Sprache und Literatur. Noch vor 1220 hat er die drei arabisch vorliegenden Bücher Historia animalium, De partibus animalium und De generatione animalium des Aristoteles übersetzt, die dann auch durch die Verwendung von Albertus Magnus für sein De animalibus großen Einfluss erlangten.
Um 1220 verließ Scotus Toledo und ging nach Bologna, um medizinisch tätig zu werden. Zwischen 1224 und 1227 scheint er in den Diensten von Papst Honorius III. und dessen Nachfolger Gregor IX. gestanden zu sein. 1224 wurde er zum Erzbischof von Cashel in Irland gewählt, musste aber auf das Amt verzichten, weil er der irischen Sprache nicht mächtig war.
Sein in drei Abschnitte unterteilter Liber introductorius wurde Kaiser Friedrich II. gewidmet und der Liber physiognomiae wurde sogar auf dessen Veranlassung hin verfasst.
Weitere Arbeiten des M. Scotus sind die Ars Alchemie und das Vaticinium, wobei es in Ersterer um die Verwandlung der Metalle und im Vaticinium um Prophezeiungen über italienische Städte geht. Weiters schrieb er kleinere alchemistische und medizinische Texte.
Scotus besaß auch detaillierte Kenntnis von den zu seiner Zeit umlaufenden Zauberbüchern und wenngleich er die Wahrsagerei verdammte, bezeichnete er sie als effiziente Methode der Weissagung. Der Begriff Magus hatte für ihn eine dreifache Bedeutung: 1. Zauberkünstler/Illusionist, 2. Schadenstifter (maleficus) und 3. Weiser (sapiens).
M. Scotus ist zuletzt am 28. April 1232 in den päpstlichen Registern belegt. Sein Todesdatum wird mit 1235 angegeben.
W. (Auswahl): Liber de signis, in: Silke Ackermann: Sternstunden am Kaiserhof: Michael Scotus und sein ,Buch von den Bildern und Zeichen des Himmelsʽ. Berlin: Peter Lang, 2010.