Messing, Wolf

(* 10.09.1899 Góra-Kavaleriya bei Warschau; † 08.11.1974 Moskau), einer armen jüdischen Familie entstammender russischer Bühnenmagier (Mentalist) polnischer Herkunft. Um seine Person und Tätigkeit ranken sich viele Geschichten und Legenden. So rühmte er sich, dass er andere Menschen telepathisch dazu bringen könne, das zu denken und zu sehen, was er wolle, dass sie denken und sehen. Als Vierzehnjähriger hatte er sich z.B. ohne Fahrkarte auf der Flucht nach Berlin in einem Zug versteckt. Als der Kontrollor kam und seine Fahrkarte verlangte, kramte M. ein Stück Zeitungspapier hervor, reichte es dem Schaffner und blickte ihm dabei fest in die Augen mit der Suggestion, dass es seine gültige Fahrkarte sei ‒ woraufhin der Kontrollor das Papier abstempelte und zurückgab. Später arbeitete M. in einem Wanderzirkus und heilte hypnotisch Krankheiten, die auf psychischen Konflikten und Stress beruhten. Als er 1937 in Warschau auftrat, sagte er den Zweiten Weltkrieg voraus und dass Hitler diesen verlieren werde. Daraufhin wurde nach ihm gefahndet. Er wurde ins Gefangnis geworfen, konnte sich jedoch mittels telepathischer Hypnotisierung der Wärter befreien und floh in die UDSSR. Dort sei er auch durch Josef Stalin mehrmals getestet worden; M. trat beispielsweise in sein Landhaus ein, ohne von den Wachen daran gehindert zu werden, denn er hatte ihnen ‒ so behauptete er ‒ gesagt, dass er Berija, der Chef des sowjetrussischen Staatssicherheitsdienstes sei. Dieser hatte nämlich als Einziger ungehinderten Zutritt zu Stalin. Nach dem Zeugnis seiner Familie und Freunde konnte M. auch Zukünftiges voraussagen, doch wurde er aufgrund der damaligen weltanschaulich-politíschen Situation in der Sowjetunion nie wissenschaftlich untersucht. Vielen Menschen hat er jedenfalls in ihrer Not geholfen.

Lit.: Küppers, Topsy: Wolf Messing, der Hellseher in Stalins Diensten. München: Langen-Müller, 2002.
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