Mesmerismus

Nach dem Arzt Franz Anton Mesmer (1734-1815) benannte Lehre von einem universalen Fluidum ‒ einer quasi-physikalischen ʽKraftʼ oder ʽEnergieʼ, die alle Lebewesen verbindet. (Krankheit wurde von Mesmer als Disharmonie, als Funktionsstörung des „Nervenfluidums“, verstanden.) Die „Mittheilung des Willens“ ‒ ʽTelepathieʼ ‒ erklärte Mesmer mit der Theorie des sensorium commune als unmittelbare Fortpflanzung einer ʽGedankenbewegungʼ in der „All-Fluth“ auf den inneren Sinn eines Individuums.
In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts verschmolz der M. zusammen mit der Romantik und der Naturphilosophie (F.W. von Schelling) zu einer mächtigen Kulturströmung gegen das Vorbild der „tagwachen“ Aufklärung, wie sie sich vor allem in der induktiv-empirisch ausgerichteten Naturwissenschaft manifestierte. Es bildete sich eine locker zusammenhängende Gruppe von Ärzten, Theologen und Philosophen heraus (z.B. H. Jung-Stilling, C.A. Eschenmayer, J. Ennemoser), die sog. „Pneumatologen“, die in den „Nachtseiten“ des menschlichen Seelenlebens, also in Ahnungen, Visionen, Spuk- und Geistererscheinungen Beweise für das „Hineinragen einer Geisterwelt in die unsrige“ sah.
Eine wichtige Materialsammlung für Beobachtungen und Deutungen dieser Art gibt das von J.M. Kieser u.a. herausgegebene Archiv für den Thierischen Magnetismus(1817-1827) ab, in dem auch der medizinischen Anwendung des Mesmerismus, z.B. den selbst gestellten Diagnosen und Therapievorschlägen von Somnambulen, große Beachtung geschenkt wird.
Beurteilt man die zahlreichen wunderbaren Schilderungen, die sich dort finden, mit den heutigen Maßstäben experimenteller Kontrolle, so ist natürlich auf die damals noch nicht bekannten nonverbalen oder unterschwelligen Komponenten des „magnetischen Schlafs“ (sprich „Hypnose“) zu verweisen sowie auf die Tatsache, dass Versuchspersonen nicht nur auf verbal geäußerte Suggestionen des Versuchsleiters reagieren, sondern auch auf unbewusste Erwartungen, die dieser in Bezug auf den Ausgang des Experiments hegt (der in der Psychologie mittlerweile wohlbekannte „Versuchsleitereffekt“).

Lit.: Bauer, Eberhard: Die Welt des Paranormalen und ihre wissenschaftliche Erforschung, in: Andreas Resch: Aspekte der Paranormologie: die Welt des Außergewöhnlichen (Imago Mundi; 13). Innsbruck: Resch, 1992, S. 257.
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