Zwei althochdeutsche Sprüche zur Befreiung Gefangener und gegen Fußverrenkung, die nach ihrem Auffindungsort in der Bibliothek des Domkapitels zu Merseburg benannt sind. Dort wurden sie 1841 von dem Historiker Georg Waitz in einer theologischen Sammelhandschrift des 9./10. Jahrhunderts entdeckt und 1842/1865 von Jacob Grimm erstmals herausgegeben und kommentiert.
Die beiden Zauberformeln gehören neben dem Hildebrandslied zu den wenigen auf Althochdeutsch überlieferten Texten mit Bezug auf Themen und Figuren der vorchristlichen germanischen Mythologie.
Der Erste Merseburger Zauberspruch gilt gemeinhin als ein Lösezauber von Fesseln eines Gefangenen (Kriegers), während der Zweite Merseburger Zauberspruch als Heilungszauber (vgl. Segen) eines verletzten bzw. verrenkten Pferdefußes anzusehen ist.
Lit.: Beck, Heinrich/Lundgreen, Michael: Merseburger Zaubersprüche, in: Heinrich Beck/Dieter Geuenich/Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Bd. 19. Berlin/New York: de Gruyter, 2001; Beck, Wolfgang: Merseburger Zaubersprüche, in: Rolf Bergmann (Hrsg.): Althochdeutsche und altsächsische Literatur. Berlin / Boston: de Gruyter 2013.