Menschenopfer

Waren die größtmöglichen Opferungen, bei denen Menschen im Rahmen eines religiösen oder anderen Kultes getötet wurden, weil die Gesellschaft glaubte, sich der Gottheit oder den magischen Kräften gegenüber auf diese Weise ihr Wohlergehen oder ihren Fortbestand sichern zu können. Während Rituelle Tötungen den Erfordernissen des jeweiligen Kultes mit einer gesellschaftlichen Routine folgten, stellten Ritualmorde in diesem Zusammenhang spontane Reaktionen auf hereingebrochene, außergewöhnlich tragische Ereignisse oder eigene gewalttätige Aktionen dar, mit dem Ziel, den ursprünglichen Normalzustand wiederherzustellen.
M. sind schon in prähistorischer Zeit dokumentiert und geschahen in alten Kulturen mit unterschiedlicher Begründung: entweder um den Forderungen einer Gottheit nachzukommen und so weiteres Unheil abzuwehren, von dieser einen Segen zu erbitten oder der gewährten Gabe mit einer Gegengabe zu danken.
Auch Pogrome und Völkermorde in säkularen, nicht von einer Religion beherrschten Gesellschaften werden als moderne Form von M. gedeutet.
Heute werden M. offiziell in keinem Land mehr toleriert, sie werden vielmehr als Mord geahndet.
Im Christentum glaubt man, im Anschluss an das Neue Testament, dass das Selbstopfer des Sohnes Gottes alle Menschen- und Tieropfer für Gott überflüssig gemacht hat.

Lit.: Aldhouse Green, Miranda: Menschenopfer – Ritualmord von der Eisenzeit bis zum Ende der Antike. Essen: Magnus, 2003.
Setze ein Lesezeichen für den Permalink.