Meerschweinchenweissagung

Wird von Heilern in Südamerika zur Diagnose von schwarzer Magie und psychosomatischen Erkrankungen bei Mensch und Tier angewandt. Männliche Tiere kommen bei Männern, weibliche bei Frauen zum Einsatz. Man hält Meerschweinchen für so empfindlich, dass sie alle nervlichen Krankheiten und Störungen der psychischen Zentren (Chakren) absorbieren könnten.
Nachdem der Medizinmann den Körper des Patienten mit dem Tier abgerieben hat, wird dieses meist mit dem Daumennagel unter Gebeten aufgeschlitzt, was als Opferung gilt. Die Krankheit sei damit aus dem Körper des Patienten gewichen und spiegle sich nunmehr in den analogen Körperteilen und Organen des Tieres wider. In einem weiteren, grausamen, Schritt werden die Tiere lebendig gehäutet und deren Organe untersucht, während das Herz noch schlägt. Als Erstes wird darauf geachtet, aus welchen Teilen Blut austritt und welche Eingeweideteile sich bewegen. Der Medizinmann glaubt, dass mit der Meerschweinchenreinigung die Krankheitssymptome zwar verschwinden würden, die Grundursache in vielen Fällen aber noch vorhanden sei, die sich ebenfalls beim Meerschweinchen manifestiere.
Häufig wird das Tier nur grundsätzlich befragt: Überlebt der Patient oder nicht? Dies zeige sich vor allem in der Leber, die herausgenommen werden muss. Ist sie schwarz, muss der Patient sterben, ist sie weiß, stehen die Chancen für eine Gesundung gut.
Diese Interpretation der Zeichen ist bis ins Detail mit jener identisch, die von Inka-Heilern des 16. und 17. Jahrhunderts überliefert ist, aber auch mit Berichten aus der europäischen Antike (Eingeweideschau). Die Wirkweise der Methode wird damit erklärt, dass Meerschweinchen besonders sensible Zellen besäßen, welche die negative Energie aus dem Körper des Patienten ziehen würden. Diese Ansicht konvergiert mit bioenergetischen Theorien der Krankheitsenstehung, die von der Annahme einer informationsübertragenden Zellstrahlung ausgehen. Nach diesem Modell könne der Organismus des Tieres das gestörte Biofeld des Patienten gewissermaßen absorbieren.

Lit.: Bauer, Wolfgang/Zerling. Clemens: Das Lexikon der Orakel: der Blick in die Zukunft. München: Atmosphären Verlag, 2004.
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