Medicina magica

Die magische Praxis in der Medizin hängt mit den Vorstellungen zusammen, wie Krankheiten entstehen bzw. wodurch sie verursacht werden. Vor allem psychische Störungen wie Wahnsinn, Epilepsie, Impotenz usw., aber auch Fieber und Seuchen wurden häufig als Werk von Dämonen angesehen, obwohl es immer auch Versuche gab, diese auf natürliche Ursachen zurückzuführen.
Therapeuten und Heiler rekrutierten sich aus den verschiedensten Berufsständen. Vom Quacksalber auf Jahrmärkten bis zum professionellen Heiler war alles vertreten. Volksheiler standen neben Gesundbetern, Spruch- und Sympathieheilern.
So wie man für bestimmte Krankheiten bestimmte Dämonen verantwortlich machte, schrieb man die Heilung von solchen Krankheiten bestimmten Heiligen zu. Derartige Anrufungen Heiliger haben sich in Sprüchen erhalten, die zumeist christianisierte Formen alter heidnischer Heilzaubersprüche darstellten.
Die m. m. baut auf antikem Wissen auf, das insbesondere durch die Historia naturalis des Plinius in das Mittelalter gelangte. Wichtige Zeugnisse der magischen medizinischen Praxis verbergen sich hinter zwei angelsächsischen Manuskripten: Laecboc oder Leechbook und Lacnunga. Ersteres stammt aus der Mitte des 10. Jahrhunderts und enthält vornehmlich medizinische Verschreibungen auf Grundlage der antiken Volksmedizin. Letzteres (11. Jh.) ist eine Kompilation von Texten über Rezepturen, Arzneien und Heilmethoden mit starkem magischen Bezug.
Eine besondere Rolle spielten nicht zuletzt als zauberkräftig angesehene Pflanzen, von denen vor allem die Alraune, auch als Mandragora bekannt, die Springwurz und die Mistel zu nennen sind.

Lit.: Habiger-Tuczay, Christa: Magie und Magier im Mittelalter. München: Diederischs, 1992.
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