Urform des Wahrsagens.
Die Losung erfolgte häufig durch das Ziehen von Losen, bei denen es sich meist um Holzstäbchen mit Einritzungen handelte; aber auch Blätter, Bohnen und Steinchen waren in Gebrauch. Besonders beliebt waren L., bei denen man z.B. durch Würfeln bestimmte Zahlenfolgen erlosen konnte, denen meist auf Täfelchen aufgeführte Sprüche zugeordnet waren. Ebenfalls geschätzt waren die sog. Buchstabenorakel.
In Israel wurde das L. zur Ermittlung des göttlichen Willens in ältester Zeit für Land-, Güter-, Pflichtenverteilung und Rechtsprechung angewandt. Das klassische Beispiel eines L.s findet sich in 1 Sam 14,42ff., bei dem mit dem altisraelischen Losorakel gearbeitet wurde. Die priesterlichen Lose „Urim“ und „Thummim“ gaben nur die Antworten Ja und Nein, weshalb kein eigentliches Orakelwesen entstand.
Eine andere traditionelle Form des L.s ist das chinesische I Ging, bei dem die beiden Lose durch Yin und Yang vertreten sind.
Lit.: Weniger, Ludwig: Losorakel bei Griechen und Römern. Berlin: Weidmann, 1917; Art. „Los“, in: Der Neue Pauly: Enzyklopädie der Antike, Bd. 7. Stuttgart/Weimar: Metzler, 1999, Sp. 443-448.