Lorber, Jakob

(* 22.07.1800 Kanischa bei Marburg/Drau, Steiermark (heute Nagykanizsa, Ungarn); † 24.08.1864 Graz), altösterreichischer Musiklehrer, Mystiker, Visionär; konnte angeblich Verstorbene sehen und von ihnen Informationen übermitteln. L. war nur im weiteren Sinn ein Schreibmedium, denn er schrieb nicht in Trance, sondern das, was er mit dem inneren Ohr zu hören glaubte. Kritikfähigkeit und innere Freiheit blieben bei L. erhalten. Durch eine innere Stimme wurde er ab dem 15.03.1842 zum „Schreibknecht Gottes“, wie er sich selbst bezeichnete. Seine 25 Bände umfassenden Schriften werden von seinen Anhängern im Gegensatz zum christlichen Verständnis göttlicher Offenbarung als „Neuoffenbarungswerk“ angesehen, wenngleich das umfangreiche Werk manche naturwissenschaftliche und theologische Widersprüche aufweist; diese sind möglicherweise subjektiv-medial bedingt aufgrund einer Suche nach einer neuen Spiritualität.

W.: Jenseits der Schwelle (1847); Evangelium Johannis, 10 Bde. (1851-64), alle Werke im Lorber Verl. Bietigheim.
Lit.: Stettler-Schär, Antoinette: Jakob Lorber: zur Psychopathologie eines Sektenstifters. Bern, 1966; Fincke, Andreas: Jesus Christus im Werk Jakob Lorbers: Untersuchungen zum Jesusbild und zur Christologie einer „Neuoffenbarung“. Halle, 1992; Noack, Thomas: Der Seher und der Schreibknecht Gottes: Emanuel Swedenborg und Jakob Lorber im Ver gleich. Konstanz. Selbstverlag, 2004.
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