Lochsteine

Als L. bezeichnen Archäologen
a) von Menschenhand durchlochte plattenartige Menhire unklaren Alters und mit unklarer Bedeutung
b) vorzugsweise in Österreich vorhandene aufrecht stehende Steine mit künstlichem Loch, die seit dem Mittelalter als Gemarkungsgrenzsteine dienten
c) die Ringsteine mesoamerikanischer Ballspielplätze.

Als L. werden im voralpinen Raum aber auch häufig die stehengelassenen und mit einem sog. „Seelenloch“ versehenen Eintrittssteine eines ausgegangenen Galeriegrabes bezeichnet. Die Durchbohrung ist auf die Vorstellung zurückzuführen, dass die Erbauer der Gräber das Loch in der Frontplatte angebracht hätten, um den Seelen der Bestatteten die Reise in das Jenseits zu ermöglichen.
Es hat sich mancherorts auch der Brauch herausgebildet, durch die L. hindurchzukriechen, was verschiedenen Funktionen dienen soll, u.a. der Heilung des Körpers, der Reinigung der Seele, der Verjüngung, der Wiedergeburt.
Kleine L., auch an Halsketten getragen, finden als Talismane gegen Hexerei, Alpträume oder den bösen Blick Verwendung. In die Nester von Hühnern gelegt, sollen sie die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Hennen fördern.

Lit.: McNally, Kenneth: Standing Stones and other Monuments of early Ireland. Belfast: Appletree Press, 1984; Thieullen, M. Ad.: Les pierres percées, in: Bulletins de la Société dʼanthropologie de Paris, Bd. 10/1, 1899, S. 92-96; Fischerlehner, Egon: Lochsteine (Gattersteine) in Oberösterreich. Mannus 46 (1980), S. 95ff.
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