Linde

(Ahd. linta), Pflanzengattung in der Unterfamilie der Lindengewächse (Tilioideae) mit ca. 40 verschiedenen Arten, von denen mit Sommerlinde, Winterlinde und Silberlinde drei in Europa heimisch sind.
Bei Germanen, Balten und Slawen galt die L. als heiliger Baum und wurde im Gegensatz zur Eiche als weiblich empfunden. Der mütterlichen Beschützerin des Lebens, der Göttin Freya geweiht, wurde sie zum Treffpunkt der Dorfbewohner und hielt als Baum der Liebenden Eingang in Volkslieder.
Die Germanen hielten unter L.n mit Vorliebe ihre Volks- und Gerichtsversammlungen (Thing) ab und es konnten dort (sub tilia) sogar Urteile vollstreckt werden. Damit rückte der L.nbaum auch in die Nähe von Abschied und Tod.
Während Anhänger der Französischen Revolution mit dem Pflanzen einer L. das Ende des Absolutismus, den Beginn des Völkerfrühlings und größerer Freiheit feierten, bedeutete dieser Akt für Monarchisten ein Festhalten an traditionellen Zuständen.
Da die L. in mancherlei Hinsicht als wundertätig galt, ist sie auch der häufigste „Taferlbaum“, in dessen Höhlung man oft geschnitzte Marienbilder, Votivbilder, Hufeisen usw. anbrachte. Im Mittelalter bezeichnete man Lindenholz als lignum sanctum oder sacrum (heiliges Holz), weil viele Heiligen- und Marienfiguren aus ihm geschnitzt wurden.
Nicht zuletzt wurden der L. zauberabwehrende Eigenschaften zugeschrieben.

Lit.: Zerling, Clemens: Lexikon der Pflanzensymbolik. München: AT Verlag, 2007.
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